• Amparanoia_©-Bernat-Almirall

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Von Angela Ballhorn

Amparanoia wurde vor 20 Jahren gegründet, ruhte aber die letzten zehn Jahre. Jetzt war die Zeit reif für ein Comeback: „Zu meinem ersten Album El Poder de Machin gab es auf einmal Nachfragen von meinem spanischen Publikum, ob es nicht möglich wäre, die Stücke nochmal in neuen Versionen zu veröffentlichen. Ich habe mich mit den Musikern des Albums zusammengesetzt, und eins führte zum anderen.“ Amparo lud Manu Chao, Calexico, Marinah, Fito y Fitipaldis und Sergent Garcia ins Studio ein, um die Songs neu aufzunehmen. Nun ist es nicht üblich, dass ein Musiker ein altes Album wieder neu interpretiert. Für Amparo war der Prozess aber voller positiver Eindrücke: „Eigentlich ist es ein Rückblick auf die ganze Kariere, nicht nur auf das eine Album. Letztendlich habe ich mit Künstlern gearbeitet, die über die ganzen 20 Jahre da waren, nicht nur mit denen von 1997. Amparanoia war nie eine feste Band, sondern eher ein Projekt, bei dem die Musiker wechselten.“

Ein neuer Song mischt sich unter die alten Stücke, der der CD auch gleich den Namen gibt: „El Coro De Mi Gente“, die Stimmen meines Volkes bzw. meiner Leute. „So viele Künstler haben neue Fassungen der alten Stücke von Amparanoia aufgenommen, da musste ich doch auch noch etwas Eigenes, Neues machen. Dieser Song war noch nicht veröffentlicht und passte in das Ambiente des Albums. Die Stimmen meiner Leute – da geht es um die Künstler und Freunde, die mitarbeiten, aber auch um mein Publikum. Aufgenommen wurde es mit Macaco, einer sehr bekannten spanischen Band, die sich ebenfalls politisch engagiert.“

„La Fiesta“ ist das komplette Gegenteil zum opulenten neuen Track. Hier beschränkt sich die Begleitung auf zwei Gitarren. Amparo zählt das Stück, in dem es um die Position der Frau in der Gesellschaft geht, zu ihren Favoriten. „Für mich war es wichtig, dass Fito Cabrales, eine bedeutende Figur in der spanischen Rockszene, das Stück singt. Er ist ein bekannter Singer/Songwriter, und ich wollte ihm die Möglichkeit geben, den Song in einer sehr einfachen Version zu singen. Eigentlich ist ,La Fiesta‘ die Party, trotzdem ist der Text traurig.“

Aus den meisterhaft bearbeiteten Kompositionen sticht „La Semana“ hervor, weil eine komplette Brassband aus New Orleans mitwirkt. Für diesen Song hat sich Amparo an den baskischen Künstler Fermin Muguruza gewandt, einen weiteren politisch sehr aktiven Musiker, dem für das Stück eine Mischung aus New Orleans und Karneval vorschwebte. Er fragte eine Brassband aus Pamplona, ob sie mitspielen könne. Kurios: Es stellte ich heraus, dass der Trompeter der Brassband tatsächlich auch auf der ersten Aufnahme vor 20 Jahren mitgespielt hatte.

Ein Traum wird allerdings bleiben, mit der kompletten CD-Besetzung auf Tour zu gehen. „Auf der Tournee spielen wir mit sieben Musikern eine Mischung aus dem Sound der neuen Stücke und der alten Versionen. 2017 haben wir viel in Spanien gespielt, und wenn es möglich war, kamen Gäste dazu. Eine europäische Tour ist natürlich finanziell schwieriger.“

Amparo Sánchez lässt sich nicht auf ihre Rolle als Sängerin mit starken politischen Texten reduzieren, sie ist viel mehr als das. Um Frauen zu unterstützen, reiste sie in den Kongo. „Ich wurde von der Organisation Synergie aus dem Baskenland angesprochen. Hier geht es nicht nur um Frauenrechte oder Hilfe bei Gewalt gegen Frauen, sondern auch um die Arbeit an Traumata. 2015 bin ich in die Flüchtlingscamps in den Kongo gereist, ich war beeindruckt von der Mentalität und Stärke der Frauen, die probieren, jeden Tag mit kleinen Schritten wieder ins Leben zurückzukommen. Deshalb habe ich das Stück ,Mama Africa‘ aufgenommen, alle Royalties gehen direkt an die Organisation. Für die Zukunft plane ich, dort ein Konzert zu geben, um noch mehr Geld zu sammeln.“

Immer wieder aufstehen – das zieht sich wie ein roter Faden durch Amparos Leben, in dem sie viel mitgemacht hat, aber nicht zerbrochen, sondern stark geworden ist. Darüber hat sie 2015 in ihrem Buch La Nina y el Lobo (Das Mädchen und der Wolf) geschrieben, in dem sie autobiografisch sexuelle Gewalt, Überwindungen und Verwandlungen verarbeitet. „Das Buch war sehr wichtig für mich. Es handelt von meinem Leben im Alter zwischen 14 und 24. Ich bin mit 16 Mutter geworden, was in Spanien sehr schwierig war. Diese Lebensphase habe ich lange verborgen gehalten. In der Musik konnte ich darüber sprechen, aber ich wollte auch darüber reden. Ich möchte jungen Frauen die Botschaft geben, dass man schwierige Zeiten hinter sich lassen und weitergehen kann. Ich bin oft in Schulen, um über mein Buch zu sprechen, mittlerweile ist die dritte Auflage erschienen. Ich freue mich sehr über den Erfolg.“

Aktuelle CD:

Amparanoia: El Coro De Mi Gente (Calaverita Records / Galileo MC)