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 JAZZTHETIK LiveDie größten Sorgen machte bei Bingen swingt in diesem Jahr das Wetter. Guten Besuch bei hervorragenden Konzerten konnte aber auch das nicht verhindern.

Von Kurt Rade.© Kurt Rabe© Kurt Rade
Das fing schon gut an: Der junge Pianist und Bandleader Christian Elsässer konnte sich mit seinem Jazzorchester, modernen Kompositionen und hoher Klangdichte auszeichnen, und die Sängerin Sydney Ellis brachte die Zuhörer mit ihrer rauchigen Stimme und einer Mischung aus Blues, Soul und Jazz in die richtige Abendstimmung. Ein erster Höhepunkt war das Konzert von Emil Mangelsdorff mit seinem Quartett und Tony Lakatos, das Spitzen-Jazz mit Frische und Drive bot. Fay Classen mit ihrer Band und Peter Beets am Klavier ließen es richtig swingen. Genau das Richtige zum Ausklang des Tages waren die mitreißenden Rhythmen und herrlichen Kompositionen des Trios Rusconi.

Tag zwei begann gegen Mittag mit den Poetricks, einem Zusammenschluss von jungen Leuten mit Migrationshintergrund, Arbeitslosen, Flüchtlingen und Menschen voller Wut, Sehnsucht, Hoffnung und Energie. Zu einer Mischung aus HipHop und Soul sangen sie berührend von ihren Träumen und einer Welt, die sie friedlicher und menschlicher gestalten wollen. Die Unterbiberger Hofmusik machte mit ihrer Mischung aus bayrischer Blasmusik und türkischer wie armenischer Folklore richtig Stimmung und brachte die Zuhörer zum Tanzen.

Eine positive Überraschung waren Jan Felix May & Band. Der Bandleader präsentierte sich als junger Komponist, der die Vielfalt der musikalischen Welt in sich aufgenommen hat und aus ihr Neues mit Tiefe und wunderbaren Klangbildern kreiert. In der Band machte die Saxofonistin Kerstin Haberecht mit reifem Ton vor allem auf dem Sopran auf sich aufmerksam. Akkordeonist Luciano Biondini improvisierte in seinem Solokonzert aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz und verzauberte mit dem mediterranen Klang seines Instruments. Farmers Market aus Norwegen verjazzte mit so viel Humor und auf geniale Art alte Popsongs, dass sich das Publikum in ihre Musik verliebte.

Gänzlich ohne Schmalz und sentimentales Gesülze ging es zu, als die SWR Big Band mit Trompeter Joo Kraus Stücke von Weather Report, Simon & Garfunkel, David Bowie und anderen spielte: modern umgesetzte Arrangements in tollem Sound mit einem feinen Gast-Trompeter. Krönung des Abends war die Deutschlandpremiere der Band A Novel of Anomaly mit Andreas Schaerer (voc), Luciano Biondini (acc), Kalle Kalima (g) und Lucas Niggli (dr). Die Musiker verwandelten sich in Poeten, und einmalige Klangteppiche und ausdrucksstarke Soli zogen sich durch die Nacht. Es war ein Fliegen zwischen den Musikwelten, und das Publikum wollte die Band einfach nicht gehen lassen.

Der dritte Tag begann mit einem Unwetter, das schon die Nacht über für enorme Regenmassen gesorgt hatte. Glücklicherweise fanden die letzten Konzerte am Rhein-Eck im Trockenen statt. Die Gospelgruppe Jabulani begeisterte im brechend vollen Konzertsaal, bevor der Swing das Zepter übernahm. The Huggee Swing Band präsentierte Musik zum Mitgehen, und das nachfolgende Glenn Miller Orchestra setzte noch einen drauf. Mit „In the Mood“ und der „Moonlight Serenade“ fand das Festival einen würdigen Abschluss.