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Die 21. Hildener Jazztage waren dem friedlichen Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen gewidmet und wurden zu einem Fest der Lebensfreude.JAZZTHETIK Live

 

Von Barbara Steingießer.jazzthage richard bona foto steingie er R.Bona © Barbara Steingießer
Peter Baumgärtner, der künstlerische Leiter, wollte die Hildener Jazztage diesmal ausdrücklich als Plädoyer für Weltoffenheit verstanden wissen. Und was wäre als Bindeglied zwischen den Kulturen besser geeignet als der Jazz, der Einflüsse aus dem musikalischen Erbe verschiedener Kontinente enthält und bei dem es darauf ankommt, einander zuzuhören und miteinander zu kommunizieren? Das Programm bewies, dass die verbindende Kraft des Jazz in der Lage ist, Brücken zu bauen, auch über Epochengrenzen hinweg.

Letzteres zeigte die belgische Sängerin und Pianistin Caroll Vanwelden mit modernen Vertonungen von Shakespeare-Sonetten. Im Dreiklang der Songs mit Neu-Übersetzungen von Hans-Werner Scharf und dazu passenden Illustrationen an den Wänden des Veranstaltungsraumes ergab sich ein sinnliches Kunsterlebnis, das ganz im Sinne des Festivalmottos „Body and Soul“ Herz und Verstand berührte. Caroll Vanwelden flirtete mit den Gedichten, wenn sie etwa ein Sonett, das von der erotischen Zaubermacht der „Dark Lady“ handelt, in einen leidenschaftlichen Bolero verwandelte, in dem sich ihre Stimme und Thomas Sifflings warmer Flügelhornton im sanften Rhythmus von Bass und Drums wiegten.

Zum Open-Air-Nachmittag „Jazz im Park“ hatte Baumgärtner zwei Ensembles eingeladen, die sich jeweils einer Spielart des Jazz widmen, die nur noch selten auf so hohem Niveau live zu erleben ist. Bei den Echoes of Swing ist es besagter Swing, bei der Frauenband Lines for Ladies der Bebop. Das Repertoire der Echoes umfasst nicht nur Standards der Swing-Ära, sondern reicht von Bach und Chopin über Ragtime und Stride-Piano bis zu brandneuen Originals. Die dunklen Schattierungen, für die in größeren Ensembles ein Kontrabass zuständig wäre, steuern die linke Hand von Bernd Lhotzky (p) und Oliver Mewes’ tiefe Trommeln bei. Darüber verdichten sich die Stimmen von Altsaxofon (Chris Hopkins) und Trompete (Colin T. Dawson) zu einem Klang von verblüffender Dreidimensionalität. Auf die Herren des Swing folgten die Bebop-Ladies. Anne Czichowsky, Sabine Kühlich und Laia Genc hatten die Amerikanerin Kristin Korb mitgebracht. Alle vier singen, scatten und pflegen die hohe Kunst des Vocalese, Kühlich spielt Saxofon, Genc Klavier und Korb Kontrabass. Für Sheila Jordan, die ihre Europatournee aus gesundheitlichen Gründen hatte verschieben müssen, sprang Greetje Kauffeld ein und glänzte mit Souveränität und Klasse.

Richard Bona, Top-Act des Festivals, ist ein lebendiges Beispiel der grenzüberschreitenden Kraft der Musik. So erarbeitete er auf Kuba ein Programm, das seine afrikanischen Wurzeln und die karibische Musiktradition vereint. In Hilden zeigte er kein protziges Muskelspiel auf dem fünfsaitigen Bass, es ging ihm vielmehr darum, Geschichten zu erzählen und das Publikum zum Tanzen zu bringen. „Ich möchte, dass sich die Zuhörer noch lange daran erinnern, dass ihnen mein Konzert eine gute Zeit beschert hat“, sagt er. „Denn das ist es, worum sich alles in der Musik dreht. Wir sollten das Leben feiern, denn das Leben ist schön!“