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JAZZTHETIK LiveJazzdor, das sind Festivals in Straßburg und Berlin, das eine, jenseits des Rheins, dieses Jahr zum 32. Mal, das in Berlin jetzt auch schon zum zehnten Mal. Die Zeit rast dahin. Aber glücklicherweise gefüllt mit tollen Konzerten.

Von Peter Bastian.jazdor roberto negro tho ceccaldi2Roberto Negro, Theo Ceccaldi © Peter Bastian
Ein Festival mit so vielen Höhepunkten an vier Tagen gibt es nicht so häufig. Zusammen mit etwa 400 Besuchern pro Tag hatte man das Gefühl, etwas Besonderem beigewohnt zu haben. Mit Dejan Terzics Quartett Axiom fing es in der Berliner Kulturbrauerei schon gut an. Wie der Schlagzeuger mit Chris Speed (sax), Bojan Z (p) und Matt Penman (b) so dezent und nicht nach vorne drängend musizierte, hatte Klasse. Wunderbar der Gegensatz zwischen dem minimalistischen Klavier und dem an ein Alt erinnernden Tenor. Wunderbar auch die Frage Terzics auf einem französischen Festival in Deutschland: „Darf ich deutsch sprechen?“ Bernard Strubers zehnköpfiges Jazztett La Symphonie Déjouée geriet anschließend im Vergleich dazu etwas schwerfällig und verkopft.

Der nächste Tag: ein Highlight nach dem anderen. Sie touren schon seit einiger Zeit im Quintett zusammen, in Berlin spielten Joachim Kühn (72) und Émile Parisien (33) erstmals im Duo. Beide schreiben faszinierende Stücke, und irgendwie wirkt Kühn neben Parisien auch noch wie ein Junge, wenn er nicht gerade am Mikrofon steht und Lippenschwung und Duktus aus ihm den Udo Lindenberg des Jazz machen: „Ihr habt uns viel Energie gegeben!“ Das Duo umgekehrt dem Publikum auch. Kunstvoll, kraftvoll und dynamisch ging es weiter mit dem höllischen Quartett des Geigers Dominique Pifarély mit Antonin Rayon (p), dem unglaublichen Bruno Chevillon (wohl einer der besten Kontrabassisten der Welt) und François Merville (dr). Welche Kraft, welche musikalische Bildung, welches Zusammenspiel! Wie bei der dritten Band des Tages, Sylvain Rifflets Quartett Mechanics, das mit Saxofon, Querflöte, Perkussion und E-Gitarre zwischen Philip Glass und Rock die Möglichkeiten des Jazz auslotete. Faszinierend, vielleicht der Höhepunkt.

„Lieber tot, als erniedrigt zu werden“ – ein politisches Manifest war das Konzert der syrischen Flötistin Naïssam Jalal mit Rhythms of Resistance. Ein Hammer und eine erstmalige Begegnung danach die Band qÖÖlp. Die Ceccaldi-Brüder Théo (vio) und Valentin (cello) trafen auf Ronny Graupe (e-g) und den besessenen Schlagzeuger Christian Lillinger. Das war die sensationellste Premiere aller Zeiten zwischen Rock, Jazz und Minimalismus kurz vor dem Wahnsinn. Ähnlich das Duo Danse de Salon des Geigers mit dem Pianisten Roberto Negro am folgenden Tag, das auch noch Schubert auslotete.

Electric Vokuhila geriet durch das Mischen zu vieler Einflüsse ein bisschen beliebig. Und wenn die Klofrau zu Un Poco Loco (zwei Bläser, ein Kontrabass) schon sagt „Endlich wird’s ma ‘n bisschen jazzig, wa?“, dann hat doch alles seine Ordnung. In der Tat hat die Art und Weise, wie sich die jungen Männer an alte Themen wie „Night In Tunisia“ heranmachen, etwas Genialisches und zeugt von hohem Respekt für den alten Kram. Ein guter Abschluss zum Tanzen war Le Bal des Faux Frères, ein Haufen Bläser, zwei Schlagzeuger und Marc Ducret an der Gitarre. Chicagos „25 Or 6 To 4“ fetzt eben auch noch heute.