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 Von Arnim Bauer.
Weltstars sind beim Jazzfest in der baden-württembergischen Landeshauptstadt selbstverständlich.jazzopen santana carlos g blackman cindy kumpfCarlos Santana, Cindy Blackman © Hans Kumpf
Van Morrison, Carlos Santana, David Gilmour, der Rapper Cro und Jamie Cullum – schon diese „Big Five“ zeigen, dass es das Team um Veranstalter Jürgen Schlensog geschafft hat, die Jazzopen Stuttgart als international bedeutendes Festival zu etablieren. Jahr für Jahr geben sich die Stars die Klinke in die Hand, wobei zwar auf Qualität geachtet wird, die stilistischen Grenzen aber sehr weit definiert werden. Van Morrison war in Stuttgart zum zweiten Mal nach 2014 mit einem seiner raren Konzerte auf deutschem Boden zu Gast, und der britische Sänger und Entertainer Jamie Cullum absolvierte hier seinen einzigen diesjährigen Auftritt in Deutschland. Carlos Santana fühlte sich sichtlich wohl, zeigte einen Querschnitt von neuen Werken und Reminiszenzen an alte Zeiten, bestens gelaunt und kommunikativ, und begeisterte die Besucher.

Auch das Publikum hat die Jazzopen längst auf der Rechnung. Bereits vor Beginn des Festivals waren viele Events ausverkauft, allein 34.000 Karten gingen im Vorverkauf weg. Am Ende waren es 36.000 Besucher – eine Auslastung von 97 Prozent, zu der neben den großen Konzerten auf dem Stuttgarter Schlossplatz viele weitere Musiker beitrugen, die anderswo die Spitzenkonzerte bestreiten könnten. Auf den fünf Bühnen war so unter anderem Chick Corea mit seinem Quintett zu erleben, mit diesem Konzert kehrte man zurück in die gute Stube des Stuttgarter Konzertlebens, den Beethovensaal der Liederhalle, die von den Jazzopen zuletzt 2003 bespielt worden war. Seit man vom seelenlosen Pariser Platz, einer Art betongegossenem Exerzierfeld zwischen Bankenhochhäusern, einer städtebaulichen Grausamkeit, auf der kaum Stimmung aufkommen kann, auf den Schlossplatz umziehen durfte, gibt es eine besondere Atmosphäre, wenn 6500 Menschen den Stars nah sein können.

Gute Stimmung herrschte auch wieder im Bix-Jazzclub, so etwas wie der Zentrale des Festivals. Hier kommen auch die Jazz-Puristen auf ihre Kosten. Künstler wie Nils Petter Molvær, Ester Rada oder Steps Ahead, junge hochbegabte Musiker wie Cyrille Aimeé – sie alle sind im Bix zu erleben. Die Konzerte beginnen, wenn die Großevents vorbei sind, und so findet dort so manche Jam-Session mit bekannten Künstlern nach offiziellem Konzertende den Groove bis tief in die Stuttgarter Nacht hinein. Weitere Spielorte sind die ehemalige Schalterhalle einer Bank am Hauptbahnhof, wo Klaus Doldinger den von der Sparda Bank vergebenen German Jazz Award für sein Lebenswerk entgegennehmen durfte und sich gleich mit einem fulminanten Konzert bedankte, und das Turtle Island Quartet ein tolles Crossover-Konzert absolvierte. Erstmals haben die Jazzopen in diesem Jahr die Stadtgrenzen überschritten und Konzerte mit der Stanley Clarke Band und Keb‘ Mo im zehn Kilometer entfernten Scala in Ludwigsburg platziert, das selbst durch die Ludwigsburger Jazztage ein eigenes Profil aufgebaut hat. Auf die 24. Auflage im kommenden Jahr kann man sich bereits heute freuen.