Diese Website verwendet Cookies, um ihre Dienste bereitzustellen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet.

JAZZTHETIK LiveHumor ist nicht unbedingt typisch für Jazzkonzerte. Anders beim Bremer Jazzpreis 2016.

powered by jazzthetik smallVon York Schaefer.bremer jazzpreisTrio Elf
Jazz und Spaß sind seit Fats Waller, Dizzy Gillespie oder Louis Armstrong kein gängiges Match mehr. Jazz ist etabliert, man gibt sich lieber seriös. Allenfalls Unterhaltungskünstler wie Götz Alsmann oder Helge Schneider brechen hier das Eis, der finnische Pianist Iiro Rantala vielleicht oder Stimmkünstler wie Andreas Schaerer und Michael Schiefel. Umso erfreulicher, dass der selbstironische lockere Auftritt des Trio Elf bei der Verleihung des dritten Bremer Jazzpreises ein Kriterium für die Auswahl der Siegerband aus München und Regensburg war. Natürlich nicht das einzige. Auch Dynamik und rhythmische Komplexität seien entscheidende Faktoren gewesen, berichtete die fünfköpfige Jury um die Sängerin Natalia Mateo nach den jeweils gut halbstündigen Auftritten der Finalisten Tubes & Wires aus Köln, der Bremer Lokalmatadorin Johanna Borchert und dem Trio Elf. Auch die in die Jurybewertung mit einfließende Publikumswahl schien mehrheitlich für letztere Band ausgefallen zu sein. Der Jazzpreis wird vom „Freundes- und Förderkreis des Jazz in Bremen“ ausgerichtet und gehört mit 10 000 Euro zu den am höchsten dotierten Wettbewerben dieser Art in Deutschland.

Das Trio Elf ist eigentlich ein klassisches akustisches Jazztrio um Walter Lang (p), Gerwin Eisenhauer (dr) und Peter Cudek (b), das aber vor allem auf rhythmischer Ebene Clubstile wie Drum & Bass und HipHop in seine Musik einbaut. Zudem gehört mit Mario Sütel ein Soundmischer dazu, der mit Loops sowie Hall- und Echoeffekten als eine Art vierte Stimme in den Trialog der Band eingreift und damit das diesjährige Motto des Jazzpreises „Jazz und Elektronik“ bestens umsetzt. Der Trio-Elf-Sound bewegt sich zwischen schweren kantigen Grooves mit HipHop- oder Two-Step-Beats und zarten, raumgreifend-hallenden Solopiano-Passagen. Alle drei Bandmitglieder erzählen auf unterhaltsame Weise etwas über die Stücke, über Inspirationen, die schwierige Namensgebung und warum eine elegische Ballade nach den Proben plötzlich „Hammer Baby Hammer“ hieß. Ein würdiger Preisträger, der die Möglichkeiten des Klaviertrios innovativ erweitert.

Eine interessante Band war auch Niels Kleins Quartett Tubes & Wires, das den Abend eröffnet hatte. Bandleader Klein spielt oft tief wabernde, elektronisch modulierte Klarinetten – die Tubes. Über die Wires, die Kabel, werden die Instrumente miteinander verwoben. Ein gut groovender Sound zwischen Jazz, Elektronik und avanciertem Rock, atmosphärisch allerdings etwas verhalten und zudem von Bands wie dem Tied & Tickled Trio schon vor vielen Jahren ähnlich entwickelt.

So mancher im Publikum hatte wohl damit gerechnet, dass die in Bremen-Nord aufgewachsene Johanna Borchert, 2015 immerhin Gewinnerin des Echo Jazz, dieses Heimspiel für sich entscheiden würde. Musikalisch ist ihre Idee von zeitgenössischem Jazz sicherlich die innovativste. Ihre Band ist eine Jazzband mit Rockinstrumenten, angereichert mit Borcherts romantischem und trotzdem experimentellem Spiel am Flügel. Ihre Stimme ist von kontrollierter Klarheit und beschwörender Kraft, die gut zu den komplexen, eher düsteren Soundlandschaften der Songs mit knarzendem Moog-Synthesizer und flirrend-perkussiver E-Gitarre passt. Trotz ihrer leicht unterkühlten Art zeigt auch Johanna Borchert Humor: Hochschwanger stellt sie ihr Quartett dem Publikum als Quintett vor.