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JAZZTHETIK LiveEin Dutzend Mal hat das Punkt-Festival im südnorwegischen Kristiansand schon stattgefunden – und ist trotz Wachstum doch das familiäre Musikfest geblieben, das es immer war.

Von Christoph Giese.punkt2016 arve henriksen christoph gieseArve Henriksen © Christoph Giese
Längst haben die beiden Macher Jan Bang und Erik Honoré ihr Konzept eines Festivals, das auf Live-Remixen basiert, in die Welt getragen, mit Gastspielen in Europa und Asien. Bang, der inzwischen an der Universität von Kristiansand Elektronische Musik lehrt, führt nun langsam die nächste Generation ans Festival heran. Bestes Beispiel war in diesem Jahr sein Schüler Simen Løvgren, der die Ehre hatte, den Remix des mit viel Spannung erwarteten Release-Konzertes von Tigran Hamasyan, Arve Henriksen, Eivind Aarset und Jan Bang zu gestalten. Gemeinsam haben die vier auf ECM das Doppel-Album Atmosphères eingespielt, das auch live magische Momente hatte. Die Folklore-Melodien des Armeniers Komitas Vardapet im Verbund mit Jazzimprovisationen und den elektronischen Spielereien und live gesampelten Klängen von Jan Bang ergaben eine betörende Mischung. Und Simen Løvgren schaffte es anschließend, in einem dröhnenden Schwall von Sounds feine Partikel des Konzertes schlüssig einzubauen. Große Kunst von allen Beteiligten! Da wirkte der Auftritt von Bugge Wesseltofts New Conception of Jazz wie eine Reise zurück in 70er-Fusion-Zeiten. Vier junge Damen hat Wesseltoft aktuell um sich geschart. Und die Damen können auch gut spielen, aber das neue Konzept trotzdem nicht davor bewahren, gestrig zu klingen.

Dachte man im vergangenen Jahr, mit dem Kino in Kristiansand endlich wieder einen festen Spielort für das Mutterschiff Punkt gefunden zu haben, ging es dieses Mal wieder zurück in den Club Kick, da das Kino die Order erhalten hatte, seine Säle doch lieber mit zahlungsfreudigen Cineasten und nicht mit Musikliebhabern zu füllen. Immerhin lief an zwei Tagen Laurie Andersons wundervoller, weil so voller persönlicher Gedanken steckender Film Heart of a Dog als Rahmenprogramm des Festivals.

Arve Henriksen war in diesem Jahr gleich zwei Mal zu hören, auch in einem Remix. Und die drei Remixer des Konzerts des Erlend Apneseth Trios waren überlegt zusammengestellt. Denn im Trio des fantastischen Hardangergeigers befanden sich ebenso zwei Saiteninstrumente wie auch im Remix-Trio mit eben Henriksen, Gitarrist Stian Westerhus und Lautenspieler Rolf Lislevand. Wo Apneseth eine herrlich nach norwegischer Folklore duftende, packende Musik spielte, wurde diese von Henriksen und seinen Mitstreitern gefühlvoll und mit geschickt eingesetzter Elektronik weiterverwoben. Ein Highlight sicherlich, was man vom anschließenden Auftritt des in Norwegen mit Preisen überhäuften Popduos Band of Gold nicht sagen konnte. Die Musik belanglos, ohne sonderlich griffige Melodien. Und auch die Stimme von Sängerin Nina Elisabeth Mortvedt blieb eher blass.

Wie erfrischend, weil ungewöhnlich anders war da der Remix des Duos Jon S. Lunde und Morten Liene vom Auftritt der norwegischen Pianistin Ingfrid Breie Nyhus. Tanz, Bewegung, auch der Lautsprecher im Raum, und detailreiche Klangcollagen aus dem Computer mischten sich zu einer Performance, die erst gegen Ende konkret auf das zuvor gehörte Klavierkonzert Bezug nahm.