Diese Website verwendet Cookies, um ihre Dienste bereitzustellen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet.

JAZZTHETIK LiveBeim Sommerton-Festival überzeugte wieder der reizvolle Kontrast zwischen ländlicher Beschaulichkeit und erstklassigen Konzerten zwischen Jazz und Weltmusik.

powered by jazzthetik smallVon Guido Diesing.sommerton richard gallianoRichard Galliano © Haakon Aase
„Danke, dass Sie so gut zuhören! Es macht Spaß, hier zu spielen.“ Mit seinem Lob fürs Publikum stand Trompeter Markus Stockhausen beim Sommerton-Festival nicht allein. Kein einziges Konzert an den drei Festivaltagen verging, ohne dass die Musiker die angenehme Atmosphäre am Schloss Diersfordt bei Wesel besonders hervorgehoben hätten. In der Tat macht das freundliche, fast familiäre Flair im und rund ums Konzertzelt das Festival, das von einer Gruppe ehrenamtlicher Musikbegeisterter organisiert wird, zu etwas Besonderem. Es ist ein Geben und Nehmen: Die Musiker fühlen sich wohl, lassen sich von der Aufgeschlossenheit der Zuhörer inspirieren und schenken diesen im Gegenzug herausragende Konzerterlebnisse.

Es ging gleich mit einer Entdeckung los: Passend zum heißen Spätsommerwetter, versetzte das Quartett des Geigers Michalis Kouloumis bei seinem Deutschland-Debüt das Publikum mit traditioneller Musik aus Zypern und eigenen Stücken in mediterrane Stimmung. Der obertonreiche Geigenklang verband sich mit Laute, Bass und Percussion zu einer rhythmisch reizvoll vertrackten Mischung. Anschließend zelebrierte Markus Stockhausen im Duo mit Ferenc Snétberger (g) die fast sphärische Schönheit seines schnörkellos reinen Trompetentons. In impressionistischen Klangmalereien, aber auch in schnellen Läufen geriet das Melodische nie aus dem Blick. Omer Klein bewies mit seinem Trio und neuen, noch unveröffentlichten Stücken, dass er auf dem besten Weg ist, sich einen Platz unter den international herausragenden Jazzpianisten zu sichern. Nach einem fast klassischen Solo-Intro bog sein Konzert bald in swingende und überraschend hart groovende Gebiete ab.

Der Samstag führte von Rafael Cortés‘ kraftvollem Flamenco mit Verbeugungen vor Paco de Lucia, Chick Corea und Al Di Meola zunächst in den amerikanischen Mittleren Westen, gesehen mit norwegischen Augen. Mathias Eick und sein Quintett entwickelten einfache sangbare Melodien zu hymnischer Größe, schufen aus ihnen erhebende Momente, um sie dann wieder in die Einfachheit zurückzuführen. Richard Galliano ließ sich von seiner eigenen Imaginationskraft und Musikalität durch ein Akkordeon-Solokonzert treiben, in dem elegant fließende Melodien neben orgelähnlicher Wucht und wiegende Walzer neben stampfendem Poltern standen.

Einen glänzenden Schlusspunkt setzte das sonntägliche, weit im Voraus ausverkaufte Abschlusskonzert in der Schlosskapelle. In der originellen Musik von Marco Ambrosini an der Nyckelharpa und Jean-Louis Matinier (acc) ist zwischen Barockmusik, schwungvollen Volkstanzmelodien, Anklängen an Minimal Music und experimentellen Spieltechniken alles möglich. Zwischendurch wird ein swingender Jazz-Walzer eingestreut und eine Bach-Toccata wundert sich, wie sie auf den Balkan gelangt ist. Vollends beglückend wurde das Konzert durch die Ausstrahlung der Musiker, die eine grenzenlose Freude am eigenen Spiel zeigten. Dass diese Freude hochgradig ansteckend war, konnte man nach dem Konzert leicht auf den Gesichtern der Zuhörer ablesen.