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Bei der 18. Auflage des Festivals Enjoy Jazz sorgten die kleinen Formationen für die größten Momente.

enjoyjazz broetzmann schindelbeckBroetzmann © SchindelbeckVon Dietrich Wappler.

Joshua Redman und Brad Mehldau sind Publikumslieblinge bei Enjoy Jazz. Mehrfach sind der Saxofonist und der Pianist in der Vergangenheit hier mit ihren Projekten aufgetreten, auch das Duo feierte hier einst seine Premiere. Diesmal kamen sie als eingespielte Einheit mit gerade erschienenem Album ins BASF-Feierabendhaus in Ludwigshafen, improvisierten über Standards und eigene Stücke, mal romantisch, mal abstrakt, immer hochvirtuos. Vom aufmerksamen Publikum gefeiert, liefen die beiden zu Höchstform auf.

Pianist Michael Wollny kam diesmal mit dem Akkordeonisten Vincent Peirani. In der Heidelberger Peterskirche traf deutsche Romantik auf französische Musette-Seligkeit, die Stücke stammten von Björk bis Barber, natürlich auch aus eigener Feder. Für einen weiteren Höhepunkt sorgte Jack DeJohnette mit seinem neuen Trio. Der altgediente Schlagzeuger hat sich mit den eine Generation jüngeren Ravi Coltrane (sax) und Matthew Garrett (el-b) zusammengetan, Söhne prominenter Väter, die sich aber von diesen ebenso emanzipiert zeigten, wie sie im Zusammenspiel mit DeJohnette auf Augenhöhe agierten. Zwischen Rockfusion und freier Improvisation bewegte sich die Musik, sogar einen alten Soulhit von Earth Wind & Fire verwandelten sie in ein kleines Kunstwerk.

Ein Drittel der 50 Konzerte, die an zwei Dutzend Spielorten in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen stattfanden, waren ausverkauft. Dass es mit 17.000 Besuchern ein paar weniger waren als in den Vorjahren, lag auch an mehreren krankheitsbedingten Konzertausfällen. Die Besuchergruppen, die sich in den ersten Festivaljahren noch recht deutlich nach Jazz, Elektronik oder Pop sortiert hatten, sind inzwischen durchmischter. Aber natürlich dominerte bei der Coltrane-Hommage, die Archie Shepp in die Heidelberger Stadthalle brachte, bei den Auftritten der Pianistin Irène Schweizer oder des diesmal lyrisch gestimmten Saxofon-Berserkers Peter Brötzmann das ältere Publikum. Auch Charles Lloyd hat eine treue Fangemeinde im 50-Plus-Segment, und die begeistert der Altmeister nach wie vor mit einem hochenergetischen Spiel von hymnischer Kraft und abgründiger Schönheit.

Natürlich ist bei Enjoy Jazz auch viel Platz für junge Musiker und ausgefallene Projekte. Dass Festivalleiter Rainer Kern schon länger eine Vorliebe für die britische Jazzszene hegt, fand auch diesmal seinen Niederschlag. Mit rasender Intensität und hoher Lautstärke hinterließ das in London heimische Trio The Comet Is Coming bleibende Eindrücke. Ein wütendes Saxofon trifft hier auf knackige Tanzgrooves und sphärische Psychedelic-Sounds, und der Geist von Sun Ra mischt auch noch irgendwie mit. GoGo Penguin sind ein klassisches Klaviertrio, das mit dem Gestus einer Rockband auftritt. Die drei Jungs aus Manchester sind heiße Anwärter auf die immer noch vakante e.s.t.-Position im zeitgenössischen Jazz. Eine Entdeckung, wenn auch in einer ganz eigenen Sparte, war die junge Performerin Matana Roberts, die sich in ihrem Langzeitprojekt Coin Coin mit Stimme, Saxofon, Fotoprojektion und einem abgegriffenen Textbuch an die Aufarbeitung afroamerikanischer Geschichte gemacht hat, einschließlich ihrer eigenen Rolle als Frau im nach wie vor männerdominierten Jazz.