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powered by jazzthetik smallVon Michael Scheiner.nuejazz tytingvag trioTytingvag Trio © Michael Scheiner
Mit dem vierten Durchlauf scheint Nuejazz der Durchbruch gelungen zu sein. Das Festival bot eine clevere Mischung aus international bekannten Acts und regionalen Größen, Stars und Nachwuchs, Altbekanntem und jungen, frischen Ideen. Damit haben die Veranstalter offenbar den richtigen Dreh gefunden. Das zeigte sich auch daran, dass alle Konzerte an den vier Tagen – mehrere davon ausverkauft – überdurchschnittlich viele jüngere Zuschauer hatten. Schon im Vorfeld hatte das Team in Stadtteil- und Kinderzentren kleine Konzerte und Mitmachaktionen veranstaltet, um Kinder mit Jazz vertraut zu machen und Älteren die Scheu zu nehmen.

Die meisten Konzerte fanden in der wenige Tage zuvor eröffneten Kulturwerkstatt auf AEG statt, einem ausgesprochen gelungenen umgebauten Industriegelände mit hervorragender Akustik und Ausstattung. Musikalisch griff der Bassist Markus Schieferdecker mit seiner neuen Band Asteroid 7881 nach den Sternen. Der namengebende Kleinplanet ist nach einem Vorfahren des gebürtigen Nürnbergers benannt, dem Kirchenmusiker Johann Christian Schieferdecker. Mit einem leicht schwebenden Fusionsound umkreiste die Band atmosphärisch und thematisch Asteroiden. Anschließend brachte der quirlige israelische Pianist Omer Klein das bunt gemischte Publikum mit der Komposition „Yemen“ erstmals zum Rasen. Unter Kleins Fingern begann der Flügel in dem kleinen Konzertsaal zu tanzen, als er mit Haggai Cohen-Milo (b) und Amir Bresler (dr) eine energiegeladene Improvisation nach der anderen startete.

Transalpin war das Stichwort für das mit zwei Wienern und dem Schweizer Vokalartisten Andreas Schaerer besetzte Trio Rom-Schaerer-Eberle. Mit seinen so poetischen wie krachend-bunten Stücken sorgte es für vergnügtes Grinsen und Begeisterung. „So viel Jazz habe ich noch nie am Stück gehört“, stöhnte ein Besucher mittleren Alters in einer Pause. Seine strahlende Miene strafte den verbalen Stoßseufzer Lügen. Einen Blick zurück in die Zeit der Fusionsounds unternahm das Familienunternehmen Dauner & Dauner. Vater Wolfgang, kürzlich beim Jazzpreis Baden-Württemberg für sein Lebenswerk geehrt, spielte mit Sohn Florian (dr) Stücke wie das gebetsmühlenartige „Raga Yagapriya“. Coltranes hymnische Energie ließ der junge Altsaxofonist Jan Prax mit seinem heißblütigen Spiel gemeinsam mit seinem Quartett aufleben, das zwischen Post-Hardbop und modernen Formen angesiedelt ist. Frisch und originell das niederländische Trio Tin Men And the Telephone mit einem Mix aus neuen Medien und humorvoll groovendem Jazz sowie das Quartett Twi-Life des fantastischen Saxofonisten Marcus Strickland aus New York.

Unbestrittener Höhepunkt war das Konzert des Avishai Cohen Trios, erstmals im Opernhaus. Während Omri Mor am Flügel den Groove mit stoischer Regelmäßigkeit am Laufen hielt und dabei in feinsten dynamischen Schattierungen Akzente setzte, malte Itamar Doari perkussiv-leuchtende Klangbilder voller Schönheit und fein gemaserter Fülle. Der Bass dominierte, nur selten gab Cohen die Führung an seinen großartigen Pianisten ab, der ein Fan von Brahms zu sein scheint. Nach dem fulminanten Schluss, bei dem das Trio förmlich zu explodieren schien, riss es die Zuhörer förmlich aus ihren Sitzen.