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JAZZTHETIK LiveBeim Tampere Jazz Happening (TJH) stellten die Veranstalter wieder einmal ein familiäres und innovatives Happening rund um den aktuellen Jazz auf die Beine.

Von Jan Kobrzinowski tampere theleethompsonskaorchestraThe Lee Thompson Ska Orchestra © Maarit Kytöharju
Der erste Abend im Klubi warf mit den Trios von Naoko Sakata und Susanna Risberg sowie Nuaia mit drei jungen Frontfrauen an Klavier, Gitarre und Gesang ein „Spotlight on Sweden“. Der Yrjö Award 2016, eine wichtige Jazzauszeichnung Finnlands, wurde beim Konzert des Finnish Jazz Federation Anniversary Orchestra dem Saxofonisten Esa Pietilä überreicht. Die All-Star-Band unter der Leitung von Mikko Innanen eröffnete mit solidem zeitgenössischen Jazz das Hauptprogramm eines Festivals, das dann mit dem Steve Lehman Octet und dem Marius Neset Quintet, bereichert durch Svante Henryson am Cello, Fahrt aufnahm.

Die Konzerte im Telakka, meist parallel zum Hauptprogramm im großen Pakkahuone, waren sowohl Schauplatz lyrischer Kleinbesetzungen wie dem der Haudegen Juhani Aaltonen und Raoul Björkenheim als auch hochinteressanter Gigs finnischer Musiker wie dem Aki Rissanen Trio oder Newcomer-Bands wie dem Quartett Kaisa’s Machine der jungen Bassistin Kaisa Mäensivu. Die Impro-Experten The Necks nahmen sich alle Zeit der Welt, um das Publikum im vollbesetzen Pakkahuone in entrückte Trance zu versetzen. Die Pianistin und Komponistin Eve Risser zeigte, dass Jazz in großer Besetzung so gar nichts mit Bigband zu tun haben muss. Ihr White Desert Orchestra verbindet kompositorische Absicht mit klangdienlicher freier Improvisation und naturinspirierter Geräuschkollage. Charles Lloyds famoses Quartett mit dem herausragenden Pianisten Gerald Clayton, Reuben Rogers (b) und Kendrick Scott (dr) spielte schlichtweg schön und ergreifend. Lloyds Präsenz hatte schon die Pressekonferenz im Telakka-Club zu einem der unterhaltsamsten Momente des TJH gemacht. Geschichten und Musik dieses Veteranen sind voller Lyrik, Humor und Tiefe.

Im Gegensatz dazu stand die Performance der Donny McCaslin Group. Das Power-Jazz-Quartett des Saxofonisten exerzierte messerscharfen Fusion-Sound am oberen Ende der Energieskala. Warum sich Nils Petter Molvær und Eivind Aarset, die sonst für Innovation und mutige Projekte stehen, mit dem verbraucht und müde wirkenden Dub-Veteranen-Duo Sly & Robbie zusammentaten, wollte sich nicht erschließen. Bei den nächtlichen Gigs auf der Bühne des benachbarten Klubi brachten am Freitag und Samstag das James Carter Organ Trio und das Lee Thompson Ska Orchestra Partystimmung ins TJH. Anderntags widmete der finnische Trompeter Verneri Pohjola seinen Auftritt eindrucksvoll dem Werk seines Vaters, dem früh gestorbenen Pekka Pohjola. Håkon Kornstad gelang in seinem Tenor Battle die Verbindung zwischen den an sich unvereinbaren Welten Oper und Jazz. Einzig der Einsatz von Harmonium und Cembalo geriet etwas fragwürdig. Die Band Aziza mit Dave Holland, Lionel Loueke, Eric Harland und Chris Potter war ein weiterer Höhepunkt des TJH und bestach auch durch Präzision, Technik und den denkbar abgeklärtesten Groove. Mich persönlich hängte sie allerdings nach einer knappen Stunde genau aus diesem Grunde ab.

Das Tampere Jazz Happening endete feuchtfröhlich im gemütlichen Telekka, nachdem die dänische Groove-Band Kalaha den Laden gerockt hatte. Es ist gerade diese Mischung aus Geselligkeit, finnischer Gastfreundschaft und aktueller Musik bei bestem Sound, die dieses Festival zu einem echten Happening macht. TJH? – Immer wieder gerne.