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powered by jazzthetik smallVon Christoph Giese.trans4 level 42 hans buerkle
Natürlich packte Klaus Doldinger seine ganz bekannten Nummern am Schluss eines fast dreistündigen Abends auch noch aus. Die Titelmelodie vom Tatort, taufrisch gespielt und erweitert durch ein minutenlanges, furioses Solo seiner insgesamt drei Trommler. Oder „Das Boot“, aus dem gleichnamigen Erfolgsfilm. Das Publikum im ausverkauften wunderschönen Konzerthaus von Ravensburg hatte der 80-Jährige da sowieso schon längst um den Finger gewickelt mit seiner kraftvollen Fusionmusik und seinem Streifzug durch die lange Bandgeschichte. Dass Gastsänger Uwe Ochsenknecht für nur zwei Stücke auf die Bühne kam und danach auch nicht weiter vermisst wurde, zeigt, wie gut die Marke Doldinger und Passport ganz allein für sich noch immer funktioniert. Diese gut eingeölte Truppe spazierte souverän durch die Stile und unterhielt damit auf höchstem Niveau.

Ausverkauft, das galt für fast alle Konzerte der 13. Ausgabe von Trans4JAZZ. Das Festival boomt. Denn die Macher vom Verein Jazztime um Thomas Fuchs stellen jedes Mal ein buntes, abwechslungsreiches Programm zusammen, das eben immer mehr Leute anspricht. So war das historische Konzerthaus auch beim Festivalauftakt mit US-Sängerin Lizz Wright bestens gefüllt. Und wer kam, wurde verwöhnt von einem stimmungsvollen, fein aufgebauten pausenlosen spirituellen Set mit vielen balladesken Momenten zwischen Gospel, Soul, Folk und Jazz, denen Tastenmann Bobby Sparks immer wieder mit herrlich fauchenden Orgelklängen begegnete. Musik mit Tiefgang und Seele.

Als Zugabe ein wenig Jazz. Da zeigten Christian Scott und sein famoses Quintett in Herbie Hancocks „The Eye of the Hurricane“, dass sie auch lupenreinen Jazz perfekt draufhaben. Denn zuvor hatte der Pustefix aus New Orleans seine „Stretch Music“ serviert. So nennt Scott sein hochenergetisches Gebräu aus flirrenden Bläser-Improvisationen, raffinierten Klavierakkorden und treibenden Schlagzeugbeats mit stakkatoartigen Gegenschlägen, auch in der elektronischen Variante. Im atmosphärischen Kulturzentrum Linse in Ravensburgs Nachbarstadt Weingarten entstand ein durchweg unglaublich dichtes, aufregendes Konzert. Die Zukunft des Jazz, sie klingt schon in der Gegenwart des Christian Scott mehr als vielversprechend.

Jedes einzelne Konzert bei Trans4JAZZ war ein Höhepunkt für sich: Die Matinee bei freiem Eintritt mit der Sängerin Natalia Mateo, die mit slawisch inspirierten Liedern und wahnwitzigen Coverversionen von Pop-Hit oder Kinderlied ziemlich betörte; die fröhliche Party mit den alten Hits der Brit-Funk-Legenden Level 42, die, verstärkt durch eine dreiköpfige Bläserfraktion, immer wieder über die Bühne tänzelten, und cooler und knackiger als Mark King spielt noch immer kaum jemand E-Bass; der Sonntagmorgen im imposanten Festsaal im Kloster Weißenau mit dem Dieter Ilg Trio und seinem grandios umgesetzten Programm Mein Beethoven oder der funkige Jazzrock von US-Saxer Bill Evans als Schlusspunkt von fünf spannenden Tagen.