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Von Stefan Pieper.udj christian lillinger by stefan pieper swChristian Lillinger © Stefan Pieper
Das klingt doch gut: Ein „Lincoln-Center für den Jazz in Deutschland“ soll es geben, wofür der Kölner Stadtgarten gute Voraussetzungen bietet. Künftig soll die renommierte Spielstätte viel mehr sein als nur ein Jazzclub mit angegliederter Gastronomie und Event-Location. Als Europäisches Zentrum für Improvisierte Musik wird künftig das künstlerische Kerngeschäft ausgeweitet. Möglich wird dies dank einer neuen institutionellen Förderung durch das Land NRW und die Stadt Köln. Ein Thema, das die Aufbruchsstimmung beim diesjährigen Jazzforum der Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) anheizte.

Felix Falk, stellvertretender UDJ-Vorsitzender, verwies auf den stetigen Mitgliederzuwachs, der zeigt, dass immer mehr Jazzakteure den Sinn von gemeinsamer Interessensvertretung erkennen. Die neuen empirischen Daten über reale Lebens- und Arbeitsbedingungen von Jazzmusikern sind hier ein wichtiges Instrument zur Argumentation. „Wir brauchen Jazz als idealen Symbolträger für Toleranz und Globalisierung umso mehr in Zeiten, die wieder unfreier werden“, betonte der eingeladene Landtagsvizepräsident Oliver Keymis. Er gehört zu den leidenschaftlichen Wegbereitern eines bislang in Deutschland einmaligen Kulturfördergesetzes, das Projekte wie das Europäische Zentrum für Improvisierte Musik zur landespolitischen Chefsache werden lässt. Dabei geht es um mehr nachhaltige Planungssicherheit für kulturelle Akteure. Um Absichtserklärungen mit Leben und vor allem mit Geld zu füllen, brauche es vor allem Menschen, die nicht nur „Finanzpolitik am Hochreck“ betreiben, sondern auch mit Herzblut die Sache des Jazz verkörpern. Einer davon ist Siegmund Ehrmann, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im Bundestag. Ihn zeichnete die UDJ mit einer Ehrennadel aus. Politische Lobbyarbeit für den Jazz ist bei Ehrmann gewissermaßen Lebenswerk. Der Ausgezeichnete redete Klartext und betonte, dass viele Errungenschaften noch nicht mehr als zarte Ansätze verkörpern. Ein Beispiel hierfür ist die Handvoll Spielstätten, die regelmäßig mit Preisen wie dem APPLAUS ausgezeichnet werden. Davon hat die weit verstreute Clubszene kaum etwas. Zukunftsmusik ist daher immer noch die flächendeckende Verwirklichung einer Mindestgage, die ohne eine ebensolche Spielstättenförderung niemals funktionieren wird. Zumindest ist die politische Signalwirkung schon mal vorhanden.

In Workshops gaben zwei Tage lang Brancheninsider ihre Erfahrung an junge Musiker weiter. Diese brauchen so etwas dringender denn je, um sich im komplexen Musikgeschäft zu behaupten. Gebhard Ullmann, einst selbst Vorsitzender der UDJ, appellierte an die Eigeninitiative: „Seid euch bewusst, dass die Energie und der künstlerische Input stets von euch ausgehen muss. Kein Management, Agent oder Label wird dies für euch in die Hand nehmen.“ Dass Jazz gesund macht und auch gesund hält, war ein weiteres Workshop-Thema. Man konnte diese Einsicht aber auch ganz ohne Worte hautnah erfahren – beim wirklich überwältigenden Auftritt der Rolf Kühn Unit im Stadtgarten.