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JAZZTHETIK LiveAusverkauft schon im Vorfeld – das gab es noch nie in der fast dreißigjährigen Geschichte von Music Unlimited.

powered by jazzthetik smallVon Holger Pauler.wels dietmar diesner uli templin
Dass zur 30. Auflage des Festivals an jedem Tag knapp 500 Menschen nach Wels kamen, könnte man als Zeichen gegen die Rechtspopulisten der FPÖ werten, die seit einem Jahr in der oberösterreichischen Kleinstadt regieren und versuchen, den Festivalmachern und Initiativen vor Ort das Leben schwer zu machen. Daneben dürfte der Andrang aber vor allem eine Reminiszenz an ein Festival sein, das zu den bedeutendsten der freien und improvisierten Musik gehört.

17 Konzerte an drei Tagen sind ein strammes Programm, für das allein zehn ehemalige Festival-Kuratoren in den Schl8hof nach Wels eingeladen wurden. Die Namen stehen für die Bedeutung und musikalische Bandbreite der Veranstaltung: Fred Frith, Jon Rose, Zeena Parkins, Otomo Yoshihide, The Ex, Mats Gustafsson, Carla Kihlstedt, Peter Brötzmann, Okkyung Lee und Christof Kurzmann. Letzterer hatte das Festival im vergangenen Jahr kuratiert. Zum Jubiläum trat er gemeinsam mit Fred Frith im Medienkulturhaus auf. Ein Konzert, das all das zeigte, wofür das Festival steht: freie Improvisation im Wechsel mit kurzen, fast minimalistischen Songs. Angesichts der Namen war die Erwartungshaltung hoch, doch nicht immer wurde sie erfüllt. Während Frith im Duo mit Kurzmann überzeugte, agierte er im Quartett mit Lotte Anker, Ken Vandermark (reeds) und Nate Wooley (tp) eher zurückhaltend. Lediglich das Duo Vandermark-Wooley konnte mit seiner kurzweiligen Duo-Einlage punkten: ein kurzer, aber heftiger Dialog, bei dem die notierten Parts immer weiter in den Hintergrund rückten.

Highlights gab es dennoch genug: Barcelona Series mit Andrea Neumann (Innenklavier), Axel Dörner (tp) und Sven-Åke Johansson (perc) überzeugten mit einem sehr harmonischen Auftritt, in dem Geräusche und Rhythmen wie von allein zusammenwuchsen. Besonders Johansson an diversen Percussion-Instrumenten steuerte ausnahmslos die richtigen Zutaten bei. Lediglich das unvermittelte Ende des Konzerts sorgte für leichte Irritationen. Das Trio hätte vermutlich noch stundenlang weiterspielen können, ohne dass ihm die Ideen ausgegangen wären.

Ein etablierter Spielort für die Nachmittagskonzerte sind die mittelalterlichen Minoriten. Dietmar Diesner trat dort mit seinem Sopransaxofon auf. Mithilfe der Zirkularatmung erzeugte er ein anschwellendes Klanggemälde, das den sakralen Raum nach und nach ausfüllte. Ein Sound, der viele in Trance versetzte. Anschließend stand er minutenlang regungslos auf der Bühne, um nicht nur den lauten Applaus zu genießen, sondern auch kurz innezuhalten – auch in Gedenken an den in diesem Jahr verstorbenen Johannes Bauer, mit dem Diesner vor gut zwei Jahrzehnten im Quartett Slawterhaus auf der Bühne des Schl8hofs (wo sonst?!) gestanden hat.

Am letzten Tag sorgte schließlich das Duo Heather Leigh und Peter Brötzmann für einen weiteren hypnotischen Klangteppich. Leigh lieferte mit ihren Licks und Loops auf der verstärkten Pedal-Steel-Guitar eine düster-dichte Grundlage, über die Brötzmann nicht nur seine unverkennbaren Schreie auf Saxofon und Klarinette legte – mitunter fügte er auch lyrische Parts ein, die trotzdem weit weg von jeglichem Kitsch waren. Ein Auftritt, der die Vorfreude auf die kommenden 30 Jahre steigerte.