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JAZZTHETIK LiveMit einem winterlichen Ableger lockt das Internationale Jazzfestival auch im Januar nach Saalfelden.

Von Reinhold Unger.3tagejazz hotrod s band 18 c johannesradlwimmerHotrods Band © Johannes Radlwimmer
3 Tage Jazz. Unter diesem demonstrativ schlichten Titel nahm 1978 eine beeindruckende Erfolgsgeschichte ihren Anfang. Das seit der zehnten Ausgabe offiziell als Internationales Jazzfestival Saalfelden firmierende Treffen der kreativen Improvisationsmusiker zählt längst – zumindest im deutschsprachigen Raum – zu den maßgeblichen Veranstaltungen seiner Art. Seit dem vergangenen Jahr gibt es nun – ein kleiner Zusatzetat macht’s möglich – im Januar, pardon: Jänner (wie die Einheimischen sagen), einen kleinen Ableger zum traditionell am letzten Augustwochenende stattfindenden Renommierfestival. Dafür hat man nicht nur auf das unprätentiöse Motto der Anfangszeit zurückgegriffen, sondern auch das Plakatmotiv von damals, einen prustenden Wal, recycelt. Dessen Wasserfontäne wäre im Gebirgsmassiv des Steinernen Meeres bei zweistelligen Minusgraden allerdings wohl in kürzester Zeit gefroren. Herzerwärmend war allein die Musik.

Der deutsche Bassklarinettist Ulrich Drechsler bestritt gleich zwei der sieben Programmpunkte. Der langjährige Wahl-Wiener trat sowohl im Trio mit rein weiblicher Rhythmusgruppe als auch solo mit einem Monk-Programm auf, für das er zum selten gespielten Bassethorn griff. Beim abendlichen Bier in der Bar des Kulturzentrums Nexus verriet Drechsler, er sei „hauptsächlich wegen dem Skilaufen“ gekommen. Die Wintersportbedingungen im Salzburger Land waren in der Tat hervorragend – und wer hätte je behauptet, dass sich intellektuelle und körperliche Ertüchtigung ausschließen.

Für die Höhepunkte sorgten zwei multinationale Viererketten. Interzone, das Trio des brillanten Trompeters Mario Rom, hatte sich mit Tenorsaxofonist Johannes Schleiermacher verstärkt. Optisch hätte der Kontrast – der Deutsche im bodenlangen Kaftan, die drei Österreicher in dezent gemusterten Anzügen – kaum drastischer sein können, musikalisch ergänzte man sich bestens. Wer – wie Rom, Schleiermacher, Bassist Lukas Kranzelbinder und der furiose Schlagzeuger Herbert Pirker – das Formbewusstsein im Hinterkopf hat, dazu über wache Ohren und schnelles Reaktionsvermögen verfügt, der kann sich allerlei Freiheiten erlauben. Und so destillierte dieser Vierer aus süffig Swingendem und freitonal Pendelndem, Groove und Abstraktion ganz unangestrengt und mit viel Schalk im Nacken eine exemplarische Postbop-Quintessenz.

Pianist Giovanni Guidi, Posaunist Gianluca Petrella, Bassklarinettist Louis Sclavis und Drummer Gerald Cleaver haben mit Ida Lupino eine der schönsten CDs des vergangenen Jahres vorgelegt. Live steigerten sie die eher impressionistisch getönten Schattierungen der Studioeinspielung zu deutlich kräftigeren Klangfarbenmischungen und verbanden die ECM-Ästhetik der subtilen Nuancierung erfolgreich mit expressiver Improvisationslust. Ob sich „3 Tage Jazz“ längerfristig als eigenständige Veranstaltung wird etablieren können, bleibt abzuwarten. Noch hat man nur erfolgreiche erste Schritte zurückgelegt. Aber mit bescheidenen Anfängen hat man in Saalfelden ja bereits gute Erfahrungen.