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JAZZTHETIK LiveEhrenpreis, Skulptur und Goldenes Buch – in Baden-Baden wurde Wolfgang Haffner ausgezeichnet.




Von Achim Ost.mr m marioturibio© Mario Turibio

Seit 2012 gibt es den Joachim-Ernst-Berendt-Ehrenpreis der Stadt Baden-Baden. Er besteht aus einer kleinen Skulptur des Künstlers Markus Lüpertz, der sich ja gern immer mal als Pianist hörbar macht, und wird im Rahmen des Festivals Mr. M‘s Jazz Club vergeben. Die Preisvergabe ist ein wichtiger Tagesordnungspunkt im Kalender der Oberbürgermeisterin der Stadt, Margret Mergen. In diesem Jahr war Wolfgang Haffner der Preisträger und durfte sich, bevor alle Macht an die Musik überging, ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

Das Festival besteht traditionell aus drei Abenden, an denen der Preisträger Gelegenheit bekommt, seine Spezialitäten oder seine vielen Seiten zu präsentieren, an denen zweitens namhafte Jazzmusiker in der Festival-Band Mr. M‘s All Stars versammelt werden und mit verschiedenen Solisten und meist auch mit Mr. M selbst performen. Drittens bilden die beiden ersten Abende etwas wie eine Warmlauf-Phase für den dritten, an dem alles, was Rang, Namen und Stimme hat, auf die Bühne kommt und an dem der Saal unvermeidbar tobt.

Zunehmend scheint sich das Festival von Marc Marshall – denn niemand anderer verbirgt sich hinter Mister M – in einen genre- und stilübergreifenden Gesangs-Gipfel zu transformieren. Zwar steht nach wie vor stilistisch der Jazz im Zentrum, aber das Festival erweitert auch den Horizont des Publikums und demonstriert die stilistische Vielseitigkeit der eingeladenen Sängerinnen und Sänger. Das waren in diesem Jahr immerhin so unterschiedlich profilierte Künstlerinnen und Künstler wie Judy Niemack, Lucia Cadotsch, Charles Simmons, der Ire Johnny Logan (der auch schon mal beim Eurovision Song Contest von sich reden gemacht hat), die in Stuttgart geborene Fola Dada, Kim Sanders, Marc Secara und last but not least der Veranstalter selbst, der sich gern zu Duos und Sessions auf der Bühne einfindet. Diesmal mit „Boogie Down“ an Al Jarreau erinnernd, den im Februar verstorbenen Großmeister des neueren Jazz-Gesangs. Und vergessen wir nicht die Solisten Thorsten Goods, Peter Fessler und Jeff Cascaro.

Als Laudator für den Preisträger war der Vibrafonist und Theoretiker Christopher Dell eingeladen, der nach seiner Rede auch ein sehr intensives und vergleichsweise freies Duo mit Haffner spielte, das im Baden-Badener Kontext wie ein Kontrastprogramm wirkte, Haffners Variabilität eindrucksvoll bewies und dem ersten Festival-Abend einen überraschend freigeistigen Akzent gab. Immer wieder erfreulich und seit Jahren bewährt sind die Auftritte der Festival-Band Mr. M‘s All Stars, zu der diesmal (und zum Teil schon gewohnheitsmäßig) Frank Lauber (sax), Christian von Kaphengst (b), Hans Dekker (dr), Hendrik Soll (p), Bruno H.M. Müller (g) und Simon Oslender (hammond) gehörten. Als Special Guests waren Joo Kraus sowie der Perkussionist Rhani Krija zu hören. Was die Band zusammen mit den Instrumental- und Vokalsolisten ablieferte, war, wie immer, von allererster Qualität.