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JAZZTHETIK LiveDoppelte Freude für Sängerin Tamara Lukasheva: Sie wurde beim Neuen Deutschen Jazzpreis 2017 mit ihrem Quartett und als Solistin ausgezeichnet.


Von Tobias Richtsteig. jazzpreis lukasheva tamara kumpfTamara Lukasheva © Hans Kumpf

Klare Sache, möchte man meinen, der Preis wird schließlich von den Zuschauern vergeben, und die hatten die junge Frau aus der Ukraine mit ihrem charmanten Akzent schnell ins Herz geschlossen. Lukasheva hatte auf der Bühne ein energetisches Feuerwerk gezündet, im improvisierenden Duo mit Schlagzeuger Dominik Mahnig ebenso wie im ständigen Dialog mit ihren Musikern. Und diese Präsenz würdigte das Publikum. Aber ganz so einfach war es doch nicht: Viele hatten auch den erfahrenen Maxim Bender oder den Gitarristen Philipp Brämswig mit ihren ebenso makellos eingespielten Bands vorne gesehen. Aber das Gitarren-Trio hatte nach einer vielversprechenden Einleitung den überraschenden Klangfarben (etwa den Dub-Tiefen von Florian Rynkowski am E-Bass) dann doch keinen Raum zur Entfaltung gegeben und einen amtlichen Rock-Jazz-Showcase vorgezogen. Schade, auch ihnen hätte man den mit 10.000 Euro dotierten Preis gegönnt – und erst recht Schlagzeuger Fabian Arends den Solistenpreis von 1.000 Euro.

Seit der Neue Deutsche Jazzpreis 2006 zum ersten Mal ausgespielt wurde, gibt es Kritik an seinen Entscheidungen. Der Publikumspreis sei eine populistische Casting-Show ohne klare Kriterien und damit oft ungerecht. Aber damit wird nicht nur das Mannheimer Publikum sträflich unterschätzt, sondern auch unterschlagen, dass sich jeweils über 200 Bands um die Teilnahme bemühen. Eine Fachjury generiert daraus eine 12er-Shortlist, aus der wiederum ein Kurator die drei Finalisten auswählt. In diesem Jahr war das endlich eine Kuratorin: Norma Winstone, die mit ihrer Auswahl einen kurzweiligen Konzertband zusammenstellte. Der ausgelobte Preis erwies sich als Anlass, einmal drei Bands genau zuzuhören, die viele vorher nicht auf dem Schirm gehabt hatten.

Ganz anders am Vorabend, als die Kuratorin selbst mit Glauco Venier (p) und Klaus Gesing (ss, cl) ein beeindruckendes Trio-Konzert gegeben hatte. Die britische Lady überraschte mit einem schlichten Song-Programm und umwerfenden Entertainer-Qualitäten. Unbewusst setzte sie damit ein Gegengewicht zu den zuvor präsentierten Beiträgen zum Neuen Deutschen Kompositionspreis. Auch bei der neuesten Kategorie im Wettbewerb gab es eine Fachjury für die eingereichten Werke, von denen dann drei vom Haz‘art Trio, erweitert um Gesang, Saxofon und E-Gitarre, auf die Bühne gebracht wurden. Die Aufgabe, ein Stück an der Schnittstelle von Jazz und Weltmusik zu schreiben, erwies sich als knifflig. In kleinteiligen Suiten mühten sich die Komponisten, ihre Ideen aufzufächern. Doch selbst der Gewinner-Titel von Nicolai Pfisterer war bei der Preisverleihung am folgenden Abend schon wieder vergessen. Aber, den Sponsoren sei Dank: Es wird 2018 eine Neuauflage des Preises geben – mit neuer Aufgabenstellung und hoffentlich einem schärferen Wettbewerb der Ideen.