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JAZZTHETIK LiveSpätestens am dritten von neun Festivaltagen hatte das Snow Jazz Gastein seinen ersten Höhepunkt erreicht – beim Konzert von Shalosh.



powered by jazzthetik smallVon Christoph Giese. snowjazz simon frick by josef maierSimon Frick © Josef Maier

Selbst einen alten 1980er-Hit überführten sie in ihre ganz eigene, wunderbar hymnische Klangwelt. „Don‘t You Want Me“ der britischen Synthie-Popper Human League wurde bei Shalosh stellenweise mindestens aufs dreifache Tempo heraufgeschraubt. Der Song platzte fast vor Virtuosität und Einfällen, die das lange und mitreißende Konzert der drei Israelis im Sägewerk auszeichneten. Wie Gadi Stern (p), David Michaeli (b) und Matan Assayag (dr) ihren Jazz mit flirrenden Improvisationen, klassischen und orientalischen Elementen und der Kraft des Rock ausschmückten, das entwickelte einen Sog und eine Frische, die im warmen Sägewerk für Durchzug in den Ohren sorgte.

Jazzstandards in Stücke von Rossini oder Puccini geschickt einzubauen und mit den klassischen Noten verschmelzen zu lassen – auch das ist eine feine Idee. Jedenfalls, wenn man sie so gewitzt umsetzt wie das italienische Duo Danilo Rea (p) und Flavio Boltro (tp). Sie verwöhnten die Zuhörer mit geschickten Weiterentwicklungen bekannter Melodien. Lyrisch, zärtlich, aber auch mit Biss und Spielwitz. Den bewies auch Simon Frick. Der österreichische Geiger ist ein großer Hardrock- und Metalfan, was er bei seinem Soloauftritt in der einzigartigen Atmosphäre des direkt am brodelnden Wasserfall gelegenen Alten Kraftwerks von Bad Gastein unter Beweis stellte. Frick frickelte ordentlich auf seiner E-Geige herum, sampelte Beats und stakkatoartige Rhythmusfolgen und unterlegte sie dann als Loops der live gespielten Musik. Das zündete mitunter furios, war auf Konzertdauer aber ein wenig limitiert. Auch wenn der Vorarlberger zwischendurch auch akustische Nummern ohne technische Bearbeitung einstreute.

Eingängiger präsentierte sich Sänger Steven Santoro. Die Europa-Premiere seines neuen Quartetts mit dem in New York lebenden österreichischen Pianisten Walter Fischbacher bot feinen Mainstream-Jazz mit einigen Standards, aber auch einer ganzen Reihe hörenswerter eigener Stücke. Mit angenehmer warmer Stimme setzt er auf gefühlvolle und elegante Interpretationen, auf Musik mit viel Seele. Santoro konnte damit beim Publikum im vollbesetzten Sägewerk, dem Haupt-Spielort des Festivals, mächtig punkten.

Das taten auch A Novel of Anomaly, ein extrovertiertes, hoch unterhaltsames Quartett mit den beiden Schweizern Andreas Schaerer (voc) und Lucas Niggli (dr), dem Italiener Luciano Biondini (acc) sowie dem Finnen Kalle Kalima (g) und ihrer Musik voller Lebenslust und mediterranem Duft, völlig befreit von einengenden Klammern. Die gab es bei Shake Stew ebenfalls nicht. Das Großprojekt des Klagenfurter Bassisten Lukas Kranzelbinder mit drei Bläsern, zwei Schlagzeugern und zwei Bassisten bot einen aufregenden, spirituellen, (afro-)jazzigen Roadtrip mit vielen Freiheiten und überraschenden Abbiegungen. Und der Festivalabschluss mit einem ideenreichen, von Bildern inspirierten Solokonzert der Pianistin Myra Melford und anschließendem köstlichen Jazzbrunch im Design-Hotel Miramonte war wie in jedem Jahr wieder sehr gelungen.