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JAZZTHETIK LiveDie 6. Auflage von Like a Jazz Machine in Dudelange war ein großer Jahrgang; das Programm vorbildlich, die Organisation perfekt, die Atmosphäre warm und das Publikum zahlreich, und das bereits am Donnerstag.



powered by jazzthetik smallVon Serge Lecoyer.AKI RISSANEN TRIOAku Rissanen Trio © Like a Jazzmachine 2017 / Marc Lazzarini

Der luxemburgische Keyboarder Jérôme Klein servierte als Artist in Residence mit Pol Belardi (vib, b-synth) und dem vorwärtstreibenden Nils Engel (dr) einen subtilen Electro-Jazz zwischen Tortoise und Air. Am folgenden Tag konnte das Publikum die drei in Pol Belardis Quintett mit David Fettmann (as) und Riaz Khabirpour (e-g) noch einmal hören. Belardis ehrgeiziges Projekt Creation/Evolution über die Entstehung des Universums war einer der Höhepunkte des Abends. Auch Dock in Absolute, das Trio des klassischen Pianisten Jean-Philippe Koch mit den Jazzern David Kintziger (e-b) und Michel Meis (dr), hinterließ bei seiner CD-Release einen guten Eindruck.

Starke Momente gab es viele, etwa beim franko-serbischen Pianisten Bojan Z., einem weiteren Artist in Residence. Ein Volltreffer war das Zusammenspiel von Pantelis Stoikos, eines Trompeters mit fesselndem Sound in synkopierten Balkanrhythmen, mit dem nüchtern, aber äußerst effektiv spielenden Claudio Puntin (cl) und dem kontrapunktisch agierenden Paolo Fresu mit seidiger Phrasierung auf Flügelhorn und gedämpfter Trompete. Zur musikalischen Reise durch Vietnam lud Gitarrist Nguyên Lê mit dem traditionellen Sänger Ngô Hông Quang. Die größte Energie entfesselte das Trio The Comet Is Coming um Shabaka Hutchings (ts). Begleitet von Dan Leavers (b-synth) mit einer Spur Philip Glass und komplexen trance-artigen Rhythmen von Max Hallet (dr), war ihre Musik die Emanation einer Techno-Haltung, verbunden mit dem Geist des libertären Jazz des Saxofonisten.

Nach dem hervorragenden Trio des finnischen Pianisten Aki Rissanen boten am Freitag Carla Bley am Klavier, Steve Swallow mit seinem sanft klingendenSHABAKA HUTCHINGSShabaka Hutchings © Like a Jazzmachine 2017 / Marc Lazzarini E-Bass und Andy Sheppard (ss, ts) mit prachtvollem Timbre Kammerjazz vom Feinsten. Für andere war der umwerfende, an die 70er Jahre erinnernde Weltraumjazz der Gruppe Supersonic ein Höhepunkt. Eine Art Mini-Big-Band um Thomas Pourquery (as), mit schelmischen Winken zu Sun Ra oder Pharoah Sanders. Der Samstag war eine Tour de Force, beginnend mit der phänomenalen Leistung von Joachim Kühn, unterstützt von Chris Jennings (b) und Gary Husband (dr), nicht nur bei einer gewaltigen Neuinterpretation des Doors-Titels „The End“. Ein regelrecht magischer Moment war die Kooperation des Trios mit Enrico Rava (flh). Die Vielfalt des Jazz in Dudelange bewies das Projekt Continuum des Schweizer Pianisten Nik Bärtsch mit kontemplativer minimalistischer Musik, angelehnt an die repetitiven Muster eines Steve Reich, mit zwei Schlagzeugern und einer Kontrabassklarinette besetzt und mit einem Streicher-Ensemble erweitert. Der Abend endete mit dem angenehmen, eher seichten Electro-Jazz des Erik Truffaz Quartet.

Am Sonntag faszinierte der Luxemburger Michel Reis (p) innerhalb eines ekstatisch agierenden japanischen Quartetts mit temperamentvollem Jazz. Den Abschluss bildeten das psychedelisch klingende Quartett Tilt des Flötisten Joce Mienniel und der pastorale Jazz des belgischen Quintetts um Ivan Padouart (p) und Quentin Dujardin (g), bei dem Manu Katché (dr) als Gast reüssierte.