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JAZZTHETIK LiveSchon zum zweiten Mal nach 2015 gab sich Gregory Porter beim Jazzfestival Gronau die Ehre. Er scheint die west-westfälische Provinz auf seine Art und Weise zu genießen.



Von Stefan Streitz.Gregory Porter BandGregory Porter Band © Stefan Streitz

Zumindest war es das, was die Anwesenden bei seinem Auftritt von Beginn an spürten. Es war ein recht souliges, dynamisch abwechslungsreiches Programm, mit anrührenden Balladen gespickt. Porter kam mit einer teils neu besetzten Formation, in der besonders Tenorsaxofonist Tivon Pennicott mit einfühlsamem Spiel und ansprechenden Soli den Gesamteindruck veredelte. Der neue Bassist Jahmal Nichols groovte durch das Set, ohne dass ihm dabei das Lachen vergangen wäre. Die Hammond-Orgel von Ondrej Pivec legte als neues Element einen vorher nicht vorhandenen basalen Soundteppich unter Porters Stimme. Feinfühlig groovend hielt Drummer Emanuel Harrold die Zügel in sicheren Händen. Porters bewährter Begleiter und musikalischer Direktor Albert „Chip“ Crawford stützte das musikalische Geschehen vom Klavier aus versiert und machte die Balladen zu Höhepunkten des Programms. Bezeichnend, dass das Konzertende der Rhythmusgruppe überlassen blieb. Gregory Porter ist in jeder Hinsicht großzügig und verstand es – ungeachtet seiner großen Präsenz –, sich bescheiden zurückzunehmen. Hinsichtlich Verve und Emotionalität scheint er in der Sängerwelt derzeit konkurrenzlos zu sein. Daran konnte auch die Neuentdeckung Myles Sanko im Vorprogramm nicht rütteln. Der Brite, der sich eindeutig dem Soul verschrieben hat, zeigte sich als Entertainer mit direktem Zugang zum Publikum. Doch auch wenn er zu gefallen wusste, blieb der Meister unerreicht.

Den jazzigen Höhepunkt des Festivals lieferte das Yaron Herman Trio auf der Studiobühne. Sehr dicht im Klang und mit einem breiten Dynamikspektrum zog der Pianist mit Ziv Ravitz (dr) und Bastien Burger (b) die konzentriert Lauschenden in seinen Bann. Till Brönner präsentierte mit seinem ganzen Fundus an Erfahrung seine Ästhetik, strahlend und überzeugend in Sound und Gesamtdarstellung. Klaus Doldinger lässt sich seine 80 Lebensjahre nach wie vor nicht anmerken und kann sich auf treue und inspirierende Begleiter an seiner Seite verlassen, dazu Max Mutzke und Kollegah – eine anregende Mixtur der Generationen. Doch Gronau 2017 war auch wieder mal Partysound im Atrium mit Electro Deluxe und Tap Five, sowie mit Kneipen- und Straßenkonzerten und zusätzlich einem Deutsch-Pop-Abend mit Johannes Oerding und Max Giesinger. Ein in vielerlei Hinsicht breiter Horizont an Unterhaltung.