Diese Website verwendet Cookies, um ihre Dienste bereitzustellen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet.

JAZZTHETIK LiveUnd wieder haben wir es hinter uns gebracht, das alljährliche Familientreffen der Branche, auch bekannt als jazzahead!, das zum 12. Mal stattfand.



powered by jazzthetik smallVon Victoriah Szirmai.Luciano Biondini   Andreas Schaerer Luciano Biondini, Andreas Schaerer © Guido Diesing
Gemessen an den Publikumszahlen war die Messe die bislang erfolgreichste ihrer Geschichte: 17.600 Besucher wollten das Festival sehen, 1.356 Aussteller und 3.169 Teilnehmer tummelten sich auf der Fachmesse. Auch der Donnerstag, als erster Messetag traditionellerweise weniger gut besucht, wurde stärker angenommen als bisher. Ob es am Programm der Finnish Night lag? Immerhin fuhr Partnerland Finnland nach der Eröffnung durch die messe-erprobten Elifantree mit dem Kari Ikonen Trio, Dalindèo und den Tenors of Kalma seine Major-Players auf und verbuchte auch mit Acts wie Gourmet einige Erfolge. Die zeitigte auch der charmante, wenngleich sehr fleischlastige finnische Food Garden, dessen Output sich mit dem einen oder anderen Gin Tonic aus der Kyrö Distillery trefflich herunterspülen ließ.

Musikalisch waren die vier Tage in Bremen eher durchwachsen. Man denke nur an Jazzrock-Gitarrist Raoul Björkenheim, dem es gelang, mit ausufernder Gniedelei den Schlachthof halbleer zu spielen. An die flügellahme Camila Meza, die den Funken nicht zum Zünden brachte. Oder die französische Saxofonistin Céline Bonacina, die auf der Vorab-Playlist so viel versprach, live aber wenig davon hielt, zahm, wie sie rüberkam. Großartig dagegen ihre dänische Kollegin Maria Faust, die bei Kira Skovs Auseinandersetzung mit südestnischer Kirchenmusik im Marriott Courtyard zu hören war. So geht Saxofon! Erwartbar grandios während der German Jazz Expo auch Trio Elfs Gerwin Eisenhauer an den Drums, beim European Jazz Meeting der österreichische Pianist David Helbock und das Flamenco-Duo Chicuelo/Mezquida, das Standing Ovations erntete, sowie dessen Genre-Kollege Chano Dominguez bei der Overseas Night.

Das Galakonzert – Pianist Iiro Rantala mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen – enttäuschte indes, wurde hier doch ein einziger, sibelius-seliger Rosamunde-Pilcher-Soundtrack zelebriert, selbst wenn Rantala das Ruder immer dann, wenn es allzu süßlich wurde, haarscharf herumzureißen verstand. Leider setzte er ansonsten zu sehr auf Effekt und zu wenig auf Substanz. Der Bremer Bildungsbürger derweil tobte vor Begeisterung, weshalb wohl auch Aufführungen dieser Art irgendwo ihre Berechtigung haben. Viel Fachpublikum aber verschwand bereits in der Pause, auf dass es in kleineren Clubs Spannenderes entdecke, etwa das Berliner Festival XJAZZ beim spätnächtlichen Auflegen seiner Lieblingsplatten im Magazinkeller des Schlachthofs.

Die Messe selbst entwickelte sich weiter, probierte neue Formate aus. So wurde im Rahmen des Symposiums „Improvisation und Jazz für Kinder“ erstmals mit einem „Jazz & Kinder Live-Konzert“ für die Kleinen im KiTa- und Grundschulalter experimentiert, kommt doch laut dem künstlerischen Messeleiter Ulrich Beckerhoff der durchschnittliche Hörer hierzulande erst im Alter von dreizehn, vierzehn Jahren mit Jazz in Berührung – kein Wunder, dass der Nachwuchs fehlt. Dies mit Blick aufs Vorbild der nordischen Länder zu ändern, ist nun auch die jazzahead! angetreten, und man darf gespannt sein, wie dieser Plan im kommenden Jahr umgesetzt wird, wenn Polen Partnerland ist.