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JAZZTHETIK LiveDie 30. Internationalen Theaterhaus Jazztage brannten an sieben Tagen über Ostern ein regelrechtes Feuerwerk ab und freuten sich über einen Besucherrekord.



Von Harry Schmidt.Kraus50 Malia  KumpfJo Kraus, Malia © Hans Kumpf

Mit Till Brönner hatte sich für den Abschluss des erstmals eine komplette Woche dauernden Festivals einer der größten Namen angekündigt, den die deutsche Jazzszene zu bieten hat. Als Instrumentalist steht dem 45-Jährigen alles zu Gebote, die Geschichte der Jazztrompete hat Brönner inhaliert, von Louis Armstrong über Chet Baker bis zu Miles Davis. Dennoch blieb vieles berechenbar, ein glänzender Stilist, der selten überrascht. Tags zuvor hatten Ack van Rooyen und Jasper van’t Hof beim „Dutch Evening“ begeistert, während Vincent Klink und das Eberhard Budziat Big Band Projekt mit der Remstalsinfonie eine Mischung aus Musikereignis und Lesung geboten hatten.

Treffendste Antwort auf die Frage nach den diesjährigen Höhepunkten: irgendwas mit Wollny. Gleich zweimal war der Pianist zu hören. Sein Duo mit Wolfgang Haffner gehört zum Aufregendsten, was das Genre zu bieten hat. Schlichtweg umwerfend geriet das Piano Summit von Michael Wollny, Iiro Rantala und Leszek Możdżer, funkensprühender Witz, luzide Improvisationen, artistische Einlagen inklusive, nachdem die Reunion von Vocal Summit zuvor eher von nostalgischem Reiz geblieben war. Kontemplativ fernöstlich grundierten Minimalismus bot Nik Bärtsch Mobile Extended.

Gleich mehrere runde Geburtstage wurden begangen. Joo Kraus hatte zur Feier seines 50. Jahrestags nicht nur Omar Sosa, Jazz-Funk-Saxofon-Legende Pee Wee Ellis und Malia eingeladen, sondern sich mit dem Kammerorchester Arcata Stuttgart gleich auch noch ein zehnköpfiges Streichorchester gegönnt. Richie Beirach, der tags darauf zu seinem 70. Wiegenfest lud, spielte mit seinem Duopartner Gregor Hübner – auch der Geiger wurde gerade 50 –, und Randy Brecker; Tomasz Stanko, der im Sommer ein Dreivierteljahrhundert vollmacht, rief vom Barhocker herunter den polnischen Blues ab, diktierte mal mit verhaltenem Legato, mal mit auffahrender Hot-Intonation die Intensitätsskalen, die Musiker seines jungen polnischen Quartetts folgten ihm wie Schatten.

Während im größten Saal The Manhattan Transfer das 45-jährige Bühnenjubiläum beging, konnte man im kleineren T3 der Uraufführung Beats beiwohnen, für die Stepptänzer Thomas Marek sich mit dem Bassisten Kurt Holzkämper und dem Cro-Schlagzeuger Flo König zusammengetan hat. Es gab Gelegenheit, dem Dieter Ilg Quintet bei seiner Hommage an John Coltrane zu lauschen, die mit Andreas Schaerer (voc), Luciano Biondini (acc), Kalle Kalima (g) und Lucas Niggli (dr) international besetzte Avant-Jazz-Formation A Novel of Anomaly, das Soweto Kinch Trio und das Neil Cowley Trio zu entdecken oder das „Alpenjazz“ getaufte Gipfeltreffen mit Andreas Schaerer, Christian Zehnder und Andreas Martin Hofmeir, einen Jazz-Poetry-Slam oder die Filmreihe mit Jazz-Dokus von Julian Benedikt zu besuchen. Fabelhaft die Vorstellungen des Ensemble 11 der Klarinettistin Rebecca Trescher und der erstaunlichen 17-köpfigen Formation um die Münchner Bandleaderin, Gitarristin und Komponistin Monika Roscher – gleich zwei enorm erfrischende, unkonventionelle Interpretationen des Big-Band-Formats.