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JAZZTHETIK LiveWas haben Synthesizer und Percussion gemeinsam? Erstaunlich viel: Ganz fundamental sind die Instrumente aus dem Schlagzeugbereich wie auch elektronische Klangerzeuger nicht an harmonisch verwertbare Tonhöhen gebunden.




powered by jazzthetik smallVon Tobias Richtsteig.FAV Ying Hsueh Chen  Gunver Ryberg3Ying Hsueh Chen © Gunver Ryberg
Und einige Synthesizer haben sich im Lauf der Evolution zu Rhythmusmaschinen entwickelt. Diese Verwandtschaft bekam einen Namen, als 1979 der Drum-Synthesizer Syncussion SY-1 auf den Markt kam, eine analoge Kiste mit 18 Fadern, zwei Drehknöpfen, einer Fülle von Klängen und eben auch mehr oder weniger regelmäßigen Rhythmen. Der Syncussion ist legendär, und Anfang Mai lieh sich ein Festival seinen Namen: Syn / cussion. Und genau das war Programm: In neun Duo-Konzerten traf jeweils ein Schlagzeuger oder eine Schlagzeugerin auf eine Spielerin oder einen Spieler elektronischer Klangerzeuger. Die Betonung lag auf Spiel – die meisten der Begegnungen waren erste Treffen.

Ausgedacht hatte sich das Festival der Schlagzeuger Hanno Leichtmann, der auch Hörstücke realisiert und im Studio 4 des Radialsystems, also ein paar Stockwerke über der Festivalbühne, in einer Klanginstallation die satten Soundmöglichkeiten seines eigenen Syncussion SY-1 demonstrierte. Bei Syn / cussion stand durchweg der Klang im Mittelpunkt – als mehrdimensionales Ereignis, meist aber auch als Zustand, der jeweils über die Dauer der Auftritte das Publikum umschloss und fesselte. Die Wienerin Katharina Ernst etwa eröffnete das Festival mit einem fünf Minuten dauernden Crescendo eines einzigen Orchester-Gongs – ein Klangverlauf, in dem die einzelnen Schläge verwischten und der von Andrew Pekler am modularen Synthesizer erst mit einer Sirene, dann seinerseits mit metallischen Klängen beantwortet wurde.

Die Synthesizer an diesem Wochenende waren durchweg in archaischen Gehäusen untergebracht: Holzkisten, Aktenkoffer-Hälften, einzelne Modelle FAV Morten J. Olsen Marta ZapparoliMarta Zapparoliexistierten auch nur als Programme auf Laptops. Nur einer von ihnen hatte eine handelsübliche Klaviatur zur Verfügung: der liebevoll „Automat“ genannte Apparat von Nicholas Bussmann steuerte vom Laptop aus eine Reihe hydraulischer Stempel, die auf der Tastatur eines Flügels angebracht waren. Mit diesem mechanischen Klavier konnte Bussmann improvisieren. Wohl waren in der Software schon musikalische Patterns angelegt, aber die konnte er in Echtzeit manipulieren, schließlich war er im Duo mit Martin Brandlmayr angetreten, seinem Kollegen aus alten Tagen als Kapital Band 1.

Nur noch Paul Lovens und Thomas Lehn traten in ähnlicher Weise als eingespieltes Duo auf, was die humorvolle Präsenz der beiden überhaupt erst möglich machte. Oft, auch beim Treffen von Sam Prekop und John McEntire, bekannt als Schlagzeuger und Soundtüftler von Tortoise, war Regungslosigkeit das vorherrschende Bewegungsmuster, leider auch oft musikalisch. Natürlich bietet weißes Rauschen wenig Angriffsfläche für Call & Response oder kontrapunktische Verflechtungen, und die an allen Abenden voll besetzte Zuschauertribüne war durchaus in der Lage, innerhalb des oft statischen Klangraums Strukturen und Abweichungen zu erkennen. Doch es brauchte Improvisatoren wie Lovens und auch Sven Åke Johansson, der mit Jan Jelinek auftrat, um aus der Versuchs-Anordnung Syn / cussion zu einer spielerischen Dynamik zu finden.