Diese Website verwendet Cookies, um ihre Dienste bereitzustellen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet.

JAZZTHETIK LiveMan bräuchte schon einen Taschenrechner, um die Lebensjahre der Mitglieder des Saxophone Summit zu addieren.

 

 

powered by jazzthetik smallVon Christoph Giese.Charles Lloyd2 (c) Renato NunesCharles Lloyd © Renato Nunes
Spielen in dieser All-Star-Band mit Joe Lovano, Dave Liebman und Greg Osby doch gleich drei Größen des Saxofons mit. Nicht zu vergessen die hochkarätige und ebenfalls reich mit Jahren gesegnete Rhythmusgruppe mit Phil Markowitz (p), Cecil McBee (b) und Billy Hart (dr). Bei seinem Auftritt am Eröffnungsabend des diesjährigen Funchal Jazz Festivals packte dieses Sextett dennoch nur bedingt. Zu viel Klangsuche und Stückwerk, trotz feiner kollektiver Momente. Wie erfrischend war da zuvor das Eröffnungskonzert von João Barradas Directions gewesen. Auch ein Sextett, das der derzeit überall gefeierte Jungstar des portugiesischen Jazz, der Akkordeonist João Barradas, mit auf die Blumeninsel im Atlantik gebracht hatte. Greg Osby streute als Gast ein paar spitze, scharfe Momente auf dem Altsax ein, blieb ansonsten aber doch eher ein Fremdkörper. Der Kopf der ansonsten ausschließlich portugiesischen Band ist ohnehin der Bandleader persönlich, ein Virtuose auf dem Knopfakkordeon, ein rhythmisch hochspannender Improvisator, ein Musiker, der in seinen Jazz wie selbstverständlich Tango und Mediterranes verknüpft. Frisch und aufregend klang das im wunderschönen Ambiente vom Santa-Catarina-Park im Herzen der Insel-Hauptstadt.

Ein weiteres Sextett präsentierte Festivaldirektor Paulo Barbosa dem an jedem der drei Abende zahlreich in den Park strömenden Publikum. Mit seiner neuen Caipi Band hat sich Kurt Rosenwinkel den lange gehegten Wunsch erfüllt, die brasilianische Klangwelt in seine Musik einzubauen. Mit drei Brasilianern, US-Schlagzeuger Bill Campbell und der Pianistin und Sängerin Olivia Trummer spielte der in Berlin lebende US-Gitarrist eine gefällige, gut zu hörende Sommermusik, die höchstens in Ansätzen nach Brasilien klang. Dazu passte, dass Rosenwinkels Gitarrenspiel eher an Pat Metheny als an den Zuckerhut erinnerte. Den puren Jazz hatte sich dagegen US-Drummer Rudy Royston auf die Fahne geschrieben – und mit seinem Orion Trio auch konsequent umgesetzt. Mit Saxofonist Jon Irabagon und Bassist Yasushi Nakamura gestaltete Royston aufregende Dialoge voller improvisatorischer Freiräume und komplex-packenden Linien, garniert vom Bandleader mit hoch virtuosem Powerdrumming.

Wie gut passte da zum Festivalabschluss die Spiritualität und Gelassenheit eines großen alten Meisters. 79 Jahre alt ist Charles Lloyd inzwischen, und sein Saxofonspiel verströmt noch immer diese große Magie. Sein Quartett hatte der Amerikaner (spontan?) um Bill Frisell erweitert, der ja in Lloyds neuer Marvels-Band mitspielt und direkt vor dem Auftritt des Saxofonisten mit seinem eigenen Trio auf der großen Festivalbühne einen ruhigen, unaufgeregten Streifzug durch Jazz, Blues und Americana unternommen hatte. Aber es ist Charles Lloyd, der das Herz mit seiner Musik so richtig berührt. Riesenapplaus am Ende. Und man verlässt den Park mit dem Gefühl, einmal mehr Gast eines wirklich besuchenswerten Festivals gewesen zu sein.