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JAZZTHETIK LiveKein allgemeiner Überblick, sondern Lieblingssachen: Das Motto der Hildener Jazztage „My Favorite Things“ folgt dem bekannten Titel aus dem Great American Songbook, den – außer John Coltrane – Legionen weiterer internationaler Jazzmusiker interpretiert haben.



powered by jazzthetik smallVon Achim Ost.DSC 2187Inga Lühning © Zbigniew Lewandowski
Die „Favorite Things“ aus Oscar Hammersteins Text präsentieren kleinformatige, trostreiche Genussmomente aus erlesenen und erotischen Miniaturen, aber auch herzhafte und simplere Genüsse werden gelobt, zum Beispiel ein „Schnitzel with Noodles“. Und die Hildener Jazztage?

Der künstlerische Leiter des Festivals, Peter Baumgärtner, hatte bei der Zusammenstellung des Programms darauf geachtet, dass regionale Bands vom Glanz internationaler Acts ihren angemessenen Teil bekamen, dass intimere musikalische Konzepte mit groovenden Momenten verbunden wurden und dass auch das Spektakuläre nicht zu kurz kam. Er selbst ist Schlagzeuger und hatte im Rahmen des Festivals einen Auftritt mit den Billmen, einem Quartett von „alten Jazzhasen“ (Selbst-Charakterisierung) mit Manfred Billmann, Klaus Osterloh und Stefan Werni.

Die Riege der internationalen Stars repräsentierte angemessen Manu Katché am zentralen Samstag des Festivals in der Stadthalle, gerahmt vom aktuellen Quartett der polnischen E-Bassistin Kinga Glyk – von der man fast zwangsläufig bald mehr zu hören bekommen wird – und dem Düsseldorfer Saxofonisten Reiner Witzel, der mit dem Athener Trio Datfunk um den Organisten Asterios Papastamatakis mit Adedeji Adetayo (g, voc) und Michael Kapilidis (dr) nach Hilden kam. Ein Konzertabend, der dem Groove im eigentlichen Sinne gewidmet war und ihn multikulturell versorgte und verortete.

Angefangen hatte das Festival mit dem Trio des alterslos swingenden Richie Beirach, der vor drei Jahren seine Professorenzeit in Leipzig beendet hat und es nun als Musiker noch einmal richtig wissen will. Am zweiten Festival-Abend folgten vier Musiker, die seit eh und je zum festen Bestand der deutschen Jazz-Szene zu gehören scheinen und darin den haltbaren Status nationaler Geheimtipp-Legenden haben: das lyrisch-episch agierende Duo des Pianisten Bob Degen mit Matthias Nadolny (sax) und das klangintensive Duo des Universal-Flötisten Michael Heupel mit dem Vibrafonisten Stefan Bauer.

Das raffinierte und zugleich seelenwärmende Blasmusiker-Quartett Talking Horns gab ein spirituell gewichtiges Abendkonzert in der Reformationskirche. Der Bassist Joscha Oetz, von jenseits des Atlantik voller Inspiration nach Köln zurückgekehrt, hat das Nonett Urbanic Cycles zusammengerufen und mit Material versorgt. Die Band agiert auf einem spieltechnisch und kompositorisch wunderbar geistesgegenwärtigen Niveau und setzte am Sonntag ein Ausrufezeichen ans Ende des Festivals, das mit Inga Lühning und André Nendza ausklang. Festival-Leiter Peter Baumgärtner zeigte sich überaus zufrieden mit dem musikalischen Niveau, der Atmosphäre an den mittlerweile zehn Spielstätten und dem Publikumszuspruch.