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J01 purpleMit Preisen und öffentlichen Auszeichnungen haben so manche Jazzmusiker ihre Probleme, als machten sie sich durch die offizielle Anerkennung verdächtig, dem nahezukommen, was als „Commercial Jazz“ gilt.




powered by jazzthetik smallVon Wolfgang Sandner.
Achava Elena KaufmannFractal Limit © Elena Kaufmann
Andererseits können dotierte Preise segensreich sein, vor allem dann, wenn sie sich eben nicht an Verkaufszahlen orientieren, vielmehr die Musik selbst und ihren ästhetischen Rang in den Blick nehmen. In dieser Hinsicht ist der Achava Jazz Award unverdächtig. Er verdankt sich nicht zuletzt der Initiative Manfred Bründls, Professor für Jazzbass an der Musikhochschule in Weimar, und wurde jetzt bei den jungen Achava-Festspielen in Erfurt – seit 2015 veranstaltet, um den interreligiösen und interkulturellen Dialog, vor allem auch das christlich-jüdische Verhältnis zu beleben – zum ersten Mal vergeben. Zum Abschluss der Festspiele im Alten Heizwerk Erfurt erhielt das brasilianisch-armenische Duo Fractal Limit die mit 10 000 Euro dotierte und von der Sparkasse Mittelthüringen als Hauptsponsor getragene Auszeichnung.

Was Manfred Bründl als Ziel bei seiner Jazzausbildung in Weimar verfolgt, nämlich nicht nur traditionelle Spieltechniken des Jazz wie etwa Bebop-Phrasierungen und dergleichen zu vermitteln, sondern moderne Jazzentwicklungen in den Mittelpunkt zu stellen, scheint auch zur Richtschnur des neuen Preises geworden zu sein. Das heißt, vor allem Teilnehmer auszuzeichnen, die den transkulturellen Aspekt des Jazz ins Zentrum stellen. Denn lange schon ist der Jazz vom Stil zur Technik geworden, über die man in unterschiedlichen künstlerischen Genres frei verfügen kann. In dieser Hinsicht sind der armenische Pianist und Komponist Vardan Ovsepian, mittlerweile in Los Angeles zu Hause, und die brasilianische Sängerin Tatiana Parra, die das Duo Fractal Limit bilden, geradezu Prototypen. In den Werken, die sie nun bei ihrem Preisträgerkonzert in Erfurt vorstellten, gehen Jazzphrasierungen, Improvisationsformen, komplex-vertrackte Metren armenischer Volksmusik und brasilianische Klänge eine faszinierende Verbindung ein.

Tatiana Parra ist eine mit einem glockenreinen Sopran gesegnete Künstlerin, die auf frappierende Weise tradierten Scat-Gesang des Jazz, fließendes Melos des Portugiesischen und den lässigen Rhythmus des Bossa Nova zu einer ganz eigenen Klangsprache entwickelt hat. Dabei fügt sie sich in die oft von minimalistischen Wiederholungsmustern geprägten Klavierphrasen Vardan Ovsepians wie eine Obertonstimme ein. Jedenfalls wirken viele dieser zauberhaften melodischen Parallelen zwischen Klavier und Vokalpart, als stammten sie allesamt aus einem Resonanzkörper. Die vollkommene Verschmelzung von Tasteninstrument und Gesang hat man so kaum einmal zu hören bekommen. Zudem untermalt Parra alle Vokalisen mit kleinen tänzerischen Körpergesten, als müsse sie ihren Gesang in eine Gebärdensprache übersetzen. Musik, sichtbar gemacht – auch das ist eine transkulturelle Leistung, die die Zuerkennung des Preises an Fractal Limit plausibel erscheinen lässt.