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JAZZTHETIK LiveWas ist schlimmer als eine Klarinette? Zwei Klarinetten.




powered by jazzthetik smallVon Ulrike Proske.achava jazzJoachim & Rolf Kühn © Peter Tümmers
Von diesem alten Kalauer von Woody Allen (der ja bekanntlich selbst Klarinette spielt) hat Annette Maye, die künstlerische Leiterin der Multiphonics, sich gottlob nicht ins Bockshorn jagen lassen und für ihr Projekt Meeresrauschen gleich vier Klarinettisten auf die Bühne des Kölner Stadtgartens gestellt. Neben ihr selbst waren das der fabelhafte Klaus Gesing, der einem als Artist in Residence noch oft auf diesem Festival rund um die Klarinette begegnen sollte, der Franzose Thomas Savy und aus der Schweiz Claudio Puntin, der mit einer Kontrabassklarinette, die aussieht wie ein von HR Giger entworfenes Alien, so unheimlich brummen kann, dass der Soundtrack von Der weiße Hai dagegen zum Kinderlied wird. Die musikalische Hommage an den Ozean wurde von einem Nonett musikalisch in Szene gesetzt, das die kühne experimentelle Klangforschung ebenso beherrschte wie einen fröhlichen Calypso zwischendurch oder Dixieland-Anklänge zum Schluss. Rolf & Joachim Kühn setzten dagegen ganz auf die kammermusikalische Zweisamkeit. Die beiden Brüder, die man leider nur selten als Duo live erleben kann, lassen sich auf vorsichtige Dialoge ein, die von der hohen Kunst der Interaktion geprägt sind – und so dezent wie an diesem Abend kann man den Klavierberserker Joachim Kühn auch nur selten vernehmen.

Der Name des deutsch-belgischen Trios Favo setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der beiden Musiker zusammen, die die Band einst ins Leben gerufen haben, nämlich der Bassklarinettist Falk Breitkreuz und der Sopransaxofonist Volker Schlott. Mittlerweile ist das belgische Stimmwunder Sander de Winne am Mikrofon hinzugekommen, und zusammen machen die drei eine hinreißende Musik, die alten Volksliedern wie „Dat du min leevsten büst“ neue Perspektiven abgewinnt, aber auch ansonsten melodische Improvisationen aller Art schillern lässt. Ihr hervorragendes neues Album ist bei NRW erschienen. Die sechzehnköpfige Formation Loom des Saxofonisten Niels Klein – eigentlich eine Big Band, aber sie klingt nicht wie eine – spielt eine intellektuell fordernde Musik, bei der so herrliche Musiker wie der sinnlich röhrende Baritonsaxofonist Steffen Schorn oder das fulminante Rhythmus-Gespann aus Robert Landfermann und Jonas Burgwinkel für den notwendigen Biss sorgen.

Und dann war da noch der tunesische Oud-Virtuose Anouar Brahem, der gerade mit seinem aktuellen Album Blue Maqams mit Jack DeJohnette und Dave Holland (siehe die entsprechende Rezension in den Tonspuren dieser Ausgabe) für Furore sorgt. Nach Köln, genauer gesagt in die Trinitatiskirche am Heumarkt, kam er mit seinem regulären Quartett, zu dem neben dem bereits erwähnten Klaus Gesing der famose E-Bassist Björn Meyer und der libanesische Perkussionist Khaled Yassine zählen. Die geschlossene Mannschaftsleistung der Band sorgte für enthusiastische Reaktionen des Publikums, sodass die Musiker zweimal für eine Zugabe auf die Bühne zurückkehrten. Einer von vielen Höhepunkten eines äußerst sympathischen Festivals in persönlicher Atmosphäre, das immer wieder für Entdeckungen gut ist.