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J01 purpleMit ihrem Auftritt anlässlich der Verleihung des Albert-Mangelsdorff-Preises 2017 hat Angelika Niescier eines der besten Konzerte des diesjährigen Berliner JazzFests hingelegt.

 

 

powered by jazzthetik smallVon Rolf Thomas. sorey jazzfest berllin 2017 stefanie marcusTyshawn Sorey © Stefanie Marcus
Während die Preisverleiher Gebhard Ullmann und Silke Eberhard an ihrer Performance durchaus noch hätten feilen können, stürmte die Kölner Saxofonistin mit ihrem fulminant besetzten Trio mit Tyshawn Sorey am Schlagzeug und Chris Tordini am Bass durch ihre schnörkellos hitzige Musik.

Begonnen hatte das JazzFest jedoch mit zwei Auftaktabenden im schmuddeligen Wrangelkiez, mit denen der künstlerische Leiter Richard Williams dem bürgerlichen Wilmersdorf und seinem Haus der Berliner Festspiele einmal entkommen wollte. Leider war die Tonqualität im Lido ziemlich mäßig, wovon sich ein bestens aufgelegter Shabaka Hutchings mit seinen beseelt aufspielenden südafrikanischen Ancestors jedoch nicht einschränken ließ. Heroes Are Gang Leaders konnten mit ihrem Durcheinander aus gleich fünf Spoken-Word-Künstlern weniger beeindrucken, da konnten sie noch so oft betonen, dass sie „all the way from New York City“ kamen. Die Eröffnung auf der Großen Bühne des Festspielhauses oblag dann dem Artist-in-Residence Tyshawn Sorey, der mit seinem Trio leider einem bemühten und überheblichen Avantgarde-Begriff huldigte. Für die halbe Musikalienhandlung, die Sorey auf der Bühne aufgebaut hatte, war der künstlerische Ertrag überschaubar.

Es überwogen dann aber doch die musikalischen Entdeckungen in Berlin. Mônica Vasconcelos präsentierte mit viel Charme Songs, die zur Zeit der brasilianischen Militär-Diktatur entstanden waren, an ihrer Seite die überraschend sanft säuselnde Ingrid Laubrock am Saxofon. Das Solo-Konzert von Michael Wollny war eine einzige Sternstunde, und auch so manche Großformation vermochte es, äußerst originelle Akzente zu setzen. Der Gitarrist Nels Cline aus Los Angeles setzte mit vielen Berliner Musikern seltene Songs aus seinem Lovers-Projekt in Szene, die von Leuten wie Jimmy Giuffre, Gabor Szabo, Billie Holiday und Sonic Youth (!) stammten und in einen schillernden Kosmos zwischen Exzentrik und Easy Listening überführt wurden. Das Monk’estra von John Beasley schließlich sorgte mit einer All-Star-Besetzung, zu der Till Brönner, Joris Roelof und Magnus Lindgren gehörten, für überraschend neue Perspektiven auf die Stücke des Jazzgiganten Thelonious Monk und den Kehraus des Festivals.

Richard Williams hat mit seiner individuellen Programmierung für drei kunterbunte Berliner JazzFeste gesorgt und dem Festival nicht zuletzt neue Spielstätten erschlossen, zu denen die Gedächtniskirche – wo in diesem Jahr die Trondheim Voices für Gänsehaut sorgten – und die Kirche am Hohenzollernplatz zählten, wo ein Bläserensemble um den Trompeter Amir ElSaffar sich den sakralen Raum akustisch zunutze machte. Man kann sich beim britischen Gentleman Richard Williams, der vor allem im Gespräch mit der französischen Jazzlegende René Urtreger noch einmal richtig aufblühte, nur bedanken. Mit Nadin Deventer wird im kommenden Jahr eine ganz andere Generation die künstlerische Leitung übernehmen.