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J01 purpleDas war der Gipfel! Ein weißer Berg in mysteriösem Licht war das visuelle Hauptmotiv der 41. Leipziger Jazztage und deutete an, dass das Kuratorenteam seinen thematischen Schwerpunkt auf die unterschiedlichsten Spielmöglichkeiten der Gitarre gelegt hatte, um einen Gitarrengipfel zu zelebrieren.

 

 

powered by jazzthetik smallVon Arne Reimer.Mark Turner by Arne ReimerMark Turner © Arne Reimer
Und das ist den Leipzigern durchaus gelungen. Dynamisch eröffnete Gilad Hekselman das Fest der Saiten im charmanten UT Connewitz, einem der ältesten Lichtspielhäuser Deutschlands, wo wenige Tage später Giovanni Weiss seinen treibenden Gypsy-Swing in Anlehnung an Django Reinhardt spielte. Am gleichen Ort präsentierte einige Tage später der Däne Jakob Bro seine ruhigen, aber umso intensiveren Kompositionen.

Über zwei Wochen verteilt, fand das Festival an den unterschiedlichsten Spielstätten im gesamten Stadtgebiet statt. Neu hinzugekommen waren das Kunstkraftwerk, das Werk 2 und der Konzertsaal des alten Westbads, dessen Akustik durchaus Bestand hatte, auch wenn die Arrangements der Bigband von Monika Roscher hier nicht wirklich im vollen Klang zur Wirkung kamen. Passender an diesem Ort war hingegen das Duo des 71-jährigen Gitarristen Egberto Gismonti, der im Konzert mit Maria João auch am Piano überzeugte.

Musikalisch drei Schritte rückwärts bewegte sich die 21-jährige Bassistin Kinga Głyk aus Polen. Sie faszinierte zwar durch die Tatsache, dass sie als so junge Frau den E-Bass versiert wie ein alter Herr spielte, dabei jedoch mit ihrem Trio (am Schlagzeug ihr Vater Irek) die 70er Jahre mit vorhersehbarem Retro-Jazzrock wieder aufleben ließ. Das Publikum liebte es, groovend dabei zu tanzen. Was wäre ein Festival ohne solche Brüche in der Ausrichtung des Programms? Sicherlich zu einseitig.

Ebenfalls rockig, aber zeitgemäßer kam die Band des Gitarristen Werner Neumann daher, Professor an der Musikhochschule in Leipzig, der mit dem charismatischen Sänger Napoleon Murphy Brock das Publikum zu begeistern wusste. Am Schlagzeug saß Philipp Scholz, der nur wenige Stunden zuvor noch in der Bigband von Monika Roscher getrommelt hatte. Der umtriebige 27-Jährige erhielt in diesem Jahr den Leipziger Nachwuchsförderpreis, der von der Marion-Ermer-Stiftung bereits zum 21. Mal verliehen wurde. Ein weiterer Anwärter für diesen Preis wäre sicherlich der gerade mal 23-jährige Gitarrist Bertram Burkert, der in seinem Quartett mit feiner Improvisationskunst auf der klassischen Gitarre eine echte Entdeckung war.

Weitere Gitarristen des Festivals waren Tobias Hoffmann, Kalle Kalima und Dominic Miller, dessen eher langweiliges Konzert enttäuschte, auch weil er in seinen Ansagen immer wieder und wieder aus seiner Zeit mit Sting erzählte. Da lobt man sich doch den Altmeister, der das Festival beendete: Pat Metheny spielte in der Oper Leipzig. Das Konzert war ausverkauft, dauerte stolze zweieinhalb Stunden und setzte dem weißen Gitarrengipfel ein Sahnehäubchen obenauf.