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JAZZTHETIK LiveJasper van‘t Hof ist am Flügel in seinem Element. Konzentriert und mit viel Freude entwickelt der Holländer kurze Stakkato-Tastengewitter bis zu getragenen Stimmungen.



powered by jazzthetik smallVon Michael Schaust.
Sensibel lotet er Klänge aus und gibt sich impressionistischen Tonfarbgebungen hin. Die Übergänge in den Tempolagen gelingen traumhaft sicher, etwa in „The Quiet American“. Und vortrefflich gestaltet sich das spontan verabredete Tête-à-Tête zwischen van‘t Hof und Markus Stockhausen. Der eine legt das Notenmaterial in den Flügel, um schräge Lautmalereien zu erzeugen, während der andere für schrille Spitzen sorgt, um später in meditative Gefilde einzutauchen. Auch beim Auftritt mit Quadrivium benutzt der Flügelhornist dezent Loops. Jörg Brinkmann (cello) und Christian Thomé (dr) bringen sich auch als improvisierender Teil ein. Mit dem zurückhaltenden wie vorwärtsdrängenden Flügelmann Florian Weber gelingt der Gruppe die Synthese zwischen europäischer Kunstmusik und gegenwartsnahem Jazz. Der leichtfüßige „Freigeist“ steht stellvertretend für die Möglichkeit, grenzenlos das zu tun, was Stockhausen und Co. in der Musik wollen. In der Zugabe „Encoeur“ taucht das typisch Sphärische der „vier Wege“ erneut auf. Dahinschwebendes prägt ebenso Lars Danielssons Projekt Liberetto III. Schlagzeuger Magnus Öström ist expansiv unterwegs und konzentriert, ohne kraftmeierisch zu wirken. Gitarrist Andreas Hourdakis kann akustisch sanft über die Saiten gleiten wie mit Power auf Rock-Jazz-Kurs gehen. Jonas Östholm liefert pianistische Kunststücke ab und tritt immer wieder in spannende Zwiegespräche, vor allem mit Bassist und Cellist Danielsson. Der Steuermann kann sich voll auf seine Mannschaft verlassen.

Das gilt ebenso für die Teams der beiden Protagonisten des Fusion-Tages. Mike Stern spielt mit großartigen Kollegen. Bob Malach vermag es, mit viel Luft geblasene elegische Töne dezent zu präsentieren. Stern ist zwar rasend schnell unterwegs, nimmt sich aber zurück und überzeugt vor allem bei ruhigeren Stücken mit gefühlvollen Riffs. Der coole wie virtuose Drummer Dave Weckl donnert bombastfrei los. Bassist Tom Kennedy ist der Fels in der Brandung und solistisch ein Ass. Sich gegenseitig anspornend, geht es in „Chromazone“ mächtig zur Sache. Beste Stimmung im ausverkauften Saal. Und die steigert sich noch. Marcus Miller liefert mit seiner jungen Band einen Gig der Extraklasse ab. Trompeter Marquis Hill und Saxofonist Alex Han blasen sich die Seele aus dem Leib, Keyboarder Brett Williams gibt den Tastenderwisch, und Schlagzeuger Alex Bailey entfacht ein Trommelfeuerwerk. Das Wiedersehen der Ex-Miles-Davis-Leute Stern und Miller lässt schließlich alte Motown-Zeiten aufleben: „Papa Was a Rollin‘ Stone“. Es entsteht eine eigene groovende, funky Fusion-Mischung, und das Publikum ist aus dem Häuschen. Für „Preacher’s Kid“ greift Miller dann zur Bassklarinette. Der Song, seinem 92-jährigen Vater gewidmet, der seine Profikarriere als Pianist und Organist der Familie opferte, um als Busfahrer deren Lebensunterhalt sicherzustellen, wartet mit einer einfachen, hymnenartigen Melodie auf. Energetisch dicht wird’s zum Schluss. Millers Hände tanzen noch einmal über die dicken Saiten. Stehende Ovationen.