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JAZZTHETIK LiveWenn eine Gitarristin, die der kreativen improvisierten Musik seit gut einem Jahrzehnt wesentliche Impulse verleiht, ein von ihr kuratiertes Festival unter ein Motto stellt, das an den Mann erinnert, der die Gitarre vor 50 Jahren quasi neu erfunden hat, muss man nicht lange rätseln, welches Instrument im Mittelpunkt der Programms steht.

 

 

powered by jazzthetik smallVon Reinhold Unger.Unlimited day 2 pic print ev 97© Lukas Maul
„Ribbons of Euphoria“, nach einem Terminus aus dem 1967 erschienenen Jimi-Hendrix-Song „Bold As Love“, hatte Mary Halvorson die 31. Ausgabe des unlimited-Festivals im oberösterreichischen Wels überschrieben.

Die Kuratorin selbst war drei Mal zu hören. Tomas Fujiwaras Triple Double (mit Brandon Seabrook als zweitem Gitarristen) schnürte zum Auftakt ein fulminantes Kraftpaket aus Struktur und Freiheit, während das Quartett Illegal Crowns das Festival mit feinnervigem Kammerjazz (mit energetischen Einschüben) zum erfolgreichen Abschluss brachte. Weniger gelungen war Halvorsons dritter Auftritt, die erstmalige Duo-Begegnung mit dem Rockgitarristen John Dieterich (überraschenderweise unplugged), weil dieser ihr schlicht nicht auf Augenhöhe begegnen konnte. Da ist Joe Morris von anderem Kaliber. Halvorsons einstiger Gitarrenlehrer setzte in seinem einstündigen Solo-Set eine schwer zu übertreffende Benchmark für schier unerschöpflichen Ideenreichtum ebenso wie für das auf dem Instrument spieltechnisch Machbare.

Man kann Mary Halvorson zugutehalten – manche Stammbesucher, von denen einige gleich wegblieben, werden es ihr vielleicht auch vorhalten –, dass sie den Festivalnamen unlimited wesentlich wörtlicher nahm als viele ihrer Vorgänger als KuratorInnen. Bei dem sonst stärker auf (Post) Free Jazz, freie Improvisation und Noise fokussierten Festival war diesmal sogar Singer-Songwriter-Pop zu hören: Während sich bei Schmieds Puls alles um die charismatische Stimme von Mira Lu Kovacs drehte, versuchten Seaven Teares (sic!) aus New York, ihre allzu simplen Songs mit Harmonium und Barockpfeifen aufzupeppen. Auch klassisch-zeitlos zu nennender Modern Jazz kam zu Gehör, etwa im brillanten Trio von Gitarrist Liberty Ellman, dessen Bassist Stephan Crump mit seinem eigenen Quartett Rhombal postboppig bis melancholisch tönte.
Unlimited day 2 pic print ev 9© Lukas MaulUnlimited day 2 pic print ev 44© Lukas MaulUnlimited day 2 pic print ev 79© Lukas MaulUnlimited day 2 pic print ev 84© Lukas MaulUnlimited day 2 pic print ev 98© Lukas Maul

Ansonsten gab’s frickelige Grooves vom schweizerischen Trio Heinz Herbert, lautstark-noisigen Elektronik-Einsatz beim österreichischen Dreier Radian und ein etwas ermüdendes Solo-Konzert von Susan Alcorn an der Pedal Steel Guitar, wobei Letzteres vielleicht weniger an der Künstlerin als an den Grenzen des Instruments lag (im Mary Halvorson Octet etwa ist Alcorn eine sehr attraktive Klangfarbe unter vielen). Den größten Jubel erntete aber ausgerechnet eine der wenigen gitarrenlosen Formationen, das Trio Gabbeh um die expressive iranische Sängerin Golnar Shahyar.

Auch wenn nicht jeder Programmpunkt geeignet war, euphorische Reaktionen auszulösen, so hat Mary Halvorson bei unlimited 31 mit ihren „Ribbons of Euphoria“ auf jeden Fall ein äußerst vielfarbig leuchtendes Band flattern lassen.