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enjoyjazzDas Drei-Städte-Festival war auch in seinem 16. Jahr ein multiples Ereignis mit diskursiven und theatralen Veranstaltungen, Konzerten verschiedenster stilistischer Provenienz, mit Workshops, Meisterkursen, Familienfest in einem vielgestaltigen Sortiment von Spielorten in und zwischen den großen Städten der Rhein-Neckar-Region.

 ­powered by jazzthetikVon Hans-Jürgen Linke Dark Jazz? So richtig weiß man nicht, was das sein soll, ob es Stilmerkmale gibt oder nur Stimmungen, aber es gibt etliche Musiker, die Dark Jazz spielen, absichtlich oder nenjoyjazzBassmasse © Frank Schindelbeckicht. Enjoy Jazz machte eine kleine Reihe draus und ließ sie von Michael Wollny und dem Elektroniker Leafcutter John mit einem Mitternachts-Konzert eröffnen. Wenn man die beiden als exemplarische Vertreter eines Dark Jazz nähme, käme etwas sehr Komplexes heraus: ein unter anderem von Franz Schubert, Alban Berg und Joachim Kühn inspiriertes Klavier und eine sensible, manchmal auch aufrauende oder kontrastierende Live-Bearbeitung mit leichtem elektronischen Gerät. Übrigens braucht gerade der dunkle Jazz das Licht. Leafcutter John zeigte in einer Lecture Beispiele seiner selbst geschaffenen und vertriebenen Hard- und Software, die es ihm unter anderem ermöglicht, Lichtquellen zum Generieren von Klängen zu verwenden. So dass man mit Vorhangaufziehen, Lichtanknipsen und Taschenlampenblinken allerlei Lärm machen kann. Musiker wird man so allerdings noch nicht.

Drei Jahre lang konnte Enjoy Jazz aus dem Vollen schöpfen, nachdem es als einziges deutsches Kulturfestival eine Drei-Jahre-Förderung aus Brüssel bekommen hatte. Im Jahrgang 2014 war der Etat wieder auf Normalmaß zusammengeschnurrt. Dem Programm war das allerdings nicht anzumerken. Zwei Konzerte des Hilliard Ensembles, das das 40. Jahr seines Bestehens mit seiner Selbstauflösung beenden will, mit Jan Garbarek umrahmten das Festival im Dom zu Speyer und hinterließen ein Publikum, das der immer noch reizvollen Begegnung polyphoner Renaissance-Gesänge mit einem obertonarm kommentierenden Sopransaxofon im halligen Sakralraum noch eine Weile nachlauschen wird. Die Begegnung mit Garbarek war für das britische Gesangsquartett ebenso prägend wie die mit dem estnischen Komponisten Arvo Pärt und später die mit Heiner Goebbels. Ohne diese Horizonterweiterungen wäre Hilliard ein Spezialisten-Ensemble unter anderen geblieben, so aber bekam es die Chance, mit seiner großen Gesangskunst einen nachhaltigen Bogen über vier Jahrhunderte europäischer Musikgeschichte zu schlagen.

Einen weiten Bogen spannte auch Nik Bärtschs Mobile Extended – eine meditative Live-Klanginstallation im Doppelhelix-Bau des Europäischen Labors für Molekularbiologie – ein Versuch, moderner Wissenschaft mithilfe von Musik eine horizonterweiternde mystische Dimension zu verleihen. Denn der Raum spielt immer mit. Branford Marsalis’ Konzert mit seinem Quartett in der Heidelberger Stadthalle – einziges Deutschland-Konzert der aktuellen Europa-Tournee – fiel so brillant und historisch korrekt aus, wie man es erwarten konnte; und das Pablo Held Trio erhielt in Ludwigshafen den SWR-Jazzpreis für seine avancierte Triokunst, die sich im Rahmen eines langfristig erarbeiteten Gruppen-Idioms enorme Freiheit herausnehmen kann. Nach dem Abschlusskonzert mit Michael Wollny, Kudsi Erguner, Marius Neset und Firas Hassan in der Heidelberger Stadthalle gab Enjoy Jazz noch zwei Zugaben: Das Hilliard-Abschiedskonzert in Speyer und einen Abend mit Gregory Porter im Mannheimer Capitol.