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grenzenlosAuch in diesem Jahr spendierte Thomas Köthe seinem Weltmusikfestival Grenzenlos wieder eine thematische Klammer. Der Untertitel der drei Abende im Kultur- und Tagungszentrum Murnau lautete Neue Welt.

 Von Christoph Giese. Der Kubaner Omar Sosa brachte zum Auftakt mit Trilok Gurtu und Paolo Fresu zwei geniale Musiker in einer äußerst reizvollen Kombination mit. Sosas afrokubanische Rhythmen am grenzenlosJohn Scofiled © Christoph GieseKlavier waren an diesem Abend dominant und verbanden sich mit Gurtus betörenden Tabla-Pulsschlägen und den so mediterran angehauchten, jazzigen, immer wieder mit Hall- und Echoeffekten angereicherten Klängen des Sarden Paolo Fresu an Trompete und Flügelhorn zu einer weltumspannenden Melange, bei der man spürte, wie viel Freude die drei Beteiligten auf der Bühne hatten, sich mit ihren Musik-Traditionen in einem zeitgenössischen Kontext auszutauschen. Vor allem als sich Sosa und Gurtu minutenlang ein wortloses, rasend schnelles Vokalduell im Stile eines traditionellen indischen Silbengesangs lieferten. Da musste selbst der in diesem Moment zuschauendgrenzenlos2Trilok Gurtu © Christop Giesee Fresu unweigerlich schmunzeln.

Festivalleiter Thomas Köthe lädt gerne einen Künstler ein zweites Mal ein. Vor drei Jahren spielte Guinga, der gerade beim Label Acoustic Music mit Roendopinho ein wunderbares Soloalbum herausgebracht hat, bei Grenzenlos ein berührendes Solokonzert. Dieses Mal brachte der brasilianische Komponist, Gitarrist und Sänger die Pianistin Stefania Tallini mit. Und die Italienerin entpuppte sich als kongeniale Partnerin. Wie sich die beiden gegenseitig mit ihrem Spiel inspirieren, wie sie Melodien des anderen ergänzen und ausschmücken, wie sie sich in packende Unisono-Passagen begeben, um dann wieder eigene Ideen nahtlos weiterzuverfolgen – all das geschieht auf einem unglaublich hohen Level, rhythmisch und harmonisch komplex und dabei doch wunderbar fließend. Und die beiden vergessen dabei nie ihre emotionale Seite. Man möchte fast weinen vor Glück, wenn der inzwischen 64-Jährige aus Rio de Janeiro mit oft brüchiger Stimme anfängt zu singen, leise und bedächtig, aber mit unglaublich viel Gefühl. Ein unvergessliches, sinnliches, filigranes Konzert mit brasilianischen und auch klassisch inspirierten Klängen jenseits jeglicher Klischees, die man mit brasilianischer Musik verbindet, wurde zu einer Sternstunde des Festivals.

Auf diese Art und Weise berührte die Musik von John Scofield zum Festivalausklang zwar nicht, mit seinem langjährigen Trio mit Drummer Bill Stewart und Bassist Steve Swallow lieferte der Amerikaner aber dennoch ein inspiriertes Konzert ab, bei dem man neben dem Jazz all die anderen Vorlieben Scofields, etwa Blues, Funk und Rock, immer schön heraushören konnte.