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jazzmeile thuringen Louis Sclavis Atlas Trio 1Über 150 Konzerte in zwei Monaten, 20.000 Besucher in 20 Städten – wo andernort Großprojekte scheitern, erstaunt die Jazzmeile Thüringen jeden Herbst aufs Neue mit anhaltendem Erfolg.

 powered by jazzthetikVon Martin Meusinger. jazzmeile thuringen Nicole JoJazzmeile Thüringen - Nicole Jo © Tina Peissker
Dem Großprojekt im kleinen Bundesland Thüringen gelingt dabei immer mehr der Übergang vom musikalischen Nach-Wende-Experiment zum gemeinschaftlich erarbeiteten Qualitätssiegel. Das zeigt sich im Programm: Zur Eröffnung der Jazzmeile 2014 begeisterte das Louis Sclavis Atlas Trio, der internationale Jazzworkshop der Musikhochschule Weimar hatte Marc Ducret und das Trio Journal Intime zu Gast, in Nordhausen und Sonneberg spielten die New York Voices mit Marc Secara und seinem Berlin Jazz Orchestra unter Leitung von Jiggs Whigham, Jena bot Michel Wollny, Manfred Krug und Volker Schlott, es gab gleich mehrfach Partys mit dem Wombo Orchestra, Bands aus Frankreich, den USA und zahlreiche andere Projekte wie die Konzertreihe „Made in Switzerland“.

Einer von vielen Schwerpunkten im 25. Jahr nach dem Mauerfall war die vielfältige Jazzszene und -geschichte Ostdeutschlands und auch Polens, die in Zusammenarbeit mit dem Polnischen Institut Leipzig unter dem Titel „Jazz po polsku“ mit einem Festival im Festival und Auftritten von u.a. Adam Pierończyk und dem Wojtek Mazolewski Quintet gewürdigt wurde. In Kooperation mit den Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung wurde außerdem eine Fachtagung mit internationalen Gästen und Referenten aus der Jazzpraxis und Wissenschaft ins Leben gerufen. Diese „Jazz-Begegnungen im Weimarer Dreieck“ orientierten sich an der 1991 gegründeten politischen Initiative von Polen, Frankreich und Deutschland, dem „Weimarer Dreieck“, und schufen ähnlich dem politischen Vorbild Raum für Begegnungen, internationalen Austausch und Diskussionen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Jazz. Ekkehard Jost, Ulrich Steinmetzger, Hans-Jürgen von Osterhausen und Janusz Stefański waren nur einige der Referenten.

Auch ungewöhnliche Projekte fanden unter dem Dach der Jazzmeile ihren Platz: Gospelworkshops und -konzerte, Bandcamps, Lesungen, eine Ausstellung zum Free Jazz in der DDR mit musikalischer Eröffnung durch Ulrich Gumpert und Baby Sommer und vieles mehr. Das preisgekrönte Festival-Nachwuchsprogramm „Thüringer Jazzentdeckungen“ bot jungen Musikern eine Plattform, um unkonventionelle Wege zu gehen. Dabei gab es ein Led-Zeppelin-Projekt, West Coast Jazz im Oktett-Sound und improvisierte elektronische Clubmusik. Für avantgardistischen Sound im Nachwuchsbereich sorgte die Landesjugendbigband Thüringen unter der Leitung des jungen Komponisten Moritz Sembritzki.

Bei aller Innovation darf auch die Tradition der Jazzmeile nicht vergessen werden. Das in geographischen, zeitlichen und quantitativen Dimensionen deutschlandweit wohl einzigartige Festival wäre ohne Zusammenarbeit jazzmeile thuringen Louis Sclavis Atlas TrioLouis Sclavis Atlas Trio © Tina Peisskerder Thüringer Jazzclubs und der freistaatlichen Kulturträger nicht möglich. So ist die Jazzmeile über ihren historischen Kern in Jena, Weimar und Erfurt längst hinausgewachsen. Im Herbst wird auch in Altenburg, Apolda, Arnstadt, Bad Langensalza, Eisenach, Gera, Gotha, Greiz, Ilmenau, Mühlhausen, Nordhausen, Pößneck, Saalfeld, Sondershausen, Sonneberg und Zickra gejazzt. Dass so viele Kooperationen, helfende Hände und (mit)denkende Köpfe das Projekt mittragen, motiviert – auch für die Zukunft. 2015 schlägt Thomas Eckardt, der langjährige Projektleiter des Festivals, die Glocke der Luther-Dekade an: Die Jazzmeile bringt sich unter anderem in das Projekt „Von Luther bis Martin Luther King“ ein, das versucht, das Thema Luther in die Gegenwart zu transponieren.