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Bei der Musikreihe Klangart im Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden wurde die Welt zum Klang.

 J01 purpleVon Heiner Bontrup.
Der Schlusspunkt war vielleicht gleichzeitig der Höhepunkt der an musikalischen Leckerbissen wahrhaft nicht armen Musikreihe Klangart im Skulpturenpark des englischen Bildhauers Tony Cragg. Jarry Singla & Eastern Flowers nahmen mit ihrem Mumbai Project die Zuschauer mit auf einen musikalischen Trip nach Indien. Der in Köln lebende Pianist und Komponist mit deutsch-indischen Wurzeln bringt in diesem Crossover-Projekt Jazzmusiker aus Deutschland mit Musikern aus Indien zusammen. Dabei entsteht eine Musik, die sowohl den Spuren der Improvisationskunst des Jazz als auch der Spiritualität der klassischen indischen Musik folgt und dabei deren gemeinsamen Geist entdeckt: die Suche nach dem unmittelbaren Ausdruck des Seins im Augenblick des Spiels. Mehr als zwei Stunden spielten sich die Musiker die Seele aus dem Leib und rissen das Publikum mit. Mit von der Partie waren Christian Ramond (b) und Ramesh Shotham, der Großmeister der indischen Percussion. Die Section der indischen Musiker bildeten Sanjeev Chimmalgi, der mit seinem ruhigen, spirituellen Gesang überzeugte, Pratik Shrivastav an der Sarod und Vinayak Netke, der an den Tablas perkussiv einheizte. Es gelang die frappierende Verschmelzung beider Musiksprachen in eine Art von Universalmusik. Für einige Momente verwandelte sich die Welt des Parks in reinen Klang: Nada Brahma.

Das Mumbai Project stand beispielhaft für das Konzept der Klangart-Reihe, die sich 2014 über zehn Konzerte erstreckte – so viele wie nie zuvor in ihrer sechsjährigen Geschichte. Der künstlerische Leiter E. Dieter Fränzel präsentiert Jahr für Jahr einen Mix aus Jazz, Welt- und improvisierter Musik, der vor allem zum Geist des Ortes passen soll – ein Konzept, das nur mit musikalischem Fingerspitzengefühl realisiert werden kann und dessen Erfolg den Machern recht gibt.

Klangart spannte wie gewohnt einen weiten Bogen: von der Gesangskunst des Eva Quartet, das bulgarische Kirchen- und Volksmusik präsentierte, über das katalanische Frauenquartett Las Migas, das mit seiner experimentellen und eigenwilligen Interpretation des Flamenco überschäumende Lebensfreude, musikalische Erotik und selbstbewusste Weiblichkeit bot, bis hin zum explosiv-expressiven Saxofonspiel eines Peter Brötzmann im Duo mit Schlagzeuger Steve Noble. Dass dann noch ein Ausnahmemusiker wie Bassist Dave Holland mit seinem Quartett die Musikreihe adelte, spricht für die Qualität von Klangart. Nicht nur das Publikum ist von der Reihe begeistert, auch die Musiker sind es, wie Cellistin Anja Lechner stellvertretend hervorhob: „Wir Musiker wünschen uns einen Raum, in dem unsere Töne schweben können, zum Zuhörer hin und zu uns zurück. Ein Raum aber, in dem die Musik von sich wandelndem Licht, von Bäumen wie Skulpturen und Skulpturen wie Bäumen reflektiert wird, existierte bislang nur in unseren Träumen. Jetzt wissen wir, dass es ihn wirklich gibt.“