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penangEin eklektisches Programm und ein überraschend junges Publikum erwarten den Besucher beim Jazz auf der malaiischen Insel Penang.

 Von Karsten Mützelfeldt.penang© Karsten Mützelfeld

Noch bevor die Malaysian-Airlines-Maschine aus Kuala Lumpur auf dem Flughafen von Penang Island aufsetzt, durchzieht Smooth Jazz die Kabine. Musik, die schnell mit den jazzmusikalischen Landschaften Südostasiens verbunden wird. Fusion, Funk und R&B erfreuen sich großer Beliebtheit, nichts Ungewöhnliches, wenn in Karaoke-Bars zu Al Jarreau und Incognito mitgesungen wird. Die Hauptbühne des Penang Island Jazz Festival (PIJF) steht im Garten des Bayview Beach Resorts, zwanzig Meter vom palmengesäumten weißen Sandstrand entfernt. Auf den abendlichen erfrischenden Regen ist Verlass, der Reigen bunter Regenschirme verschmilzt mit der Farbenpracht tropischer Pflanzen. Das Programm ist eklektischer als erwartet. Vor allem aber fällt dem Europäer die verschwindend kleine Zahl grauer Haare auf. So jung das Publikum, so jung viele der internationalen Bands: Monoswezi (Weltmusik aus Norwegen), das Jo Young Deok Trio (Straight-ahead-Jazz aus Südkorea), das Fresh Dixie Project (Crossover aus England), Schroeder-Headz (ein Hiromi-inspiriertes Powertrio aus Japan) und CNIRBS: Die Band aus Hamburg, die rhythmisch Komplexes mit Groove und Elektronik vereint, war kurz zuvor auf Afrika-Tournee gewesen und spielte nun– dank des Goethe Instituts – erstmals in Malaysia, ein gelungener Auftritt. Juveniler Esprit auch bei den Sonnenaufgangskonzerten lokaler Bands im unweit gelegenen Tropical Spice Garden (mit einigen sich durch die Bäume schwingenden und swingenden Affen). Nicht, dass die ältere Generation außen vor wäre: Der Altersdurchschnitt wurde vorübergehend deutlich gehoben durch Europas langlebigste Formation, die Dutch Swing College Band (erstes Penang-Gastspiel: 1962), und durch Penang’s Musical Heritage Session mit Reunions malaysischer Gruppen aus den 50ern und 60ern.

Headliner war Richard Bona, der („20 Stunden Anreise, 40 Minuten Auftritt?!?“) sein Konzert verlängerte und für Party-Stimmung sorgte. Überzeugend das Trio der kanadischen Pianistin Laila Biali und die Band der kapverdischen Sängerin Carmen Souza. Fast alle Bands gaben vor ihren Performances gut besuchte Workshops. Kombiniert mit Panels über das Programmieren von Festivals, über Netzwerke und Jazz in Asien wurde das Bemühen von Festivalleiter Paul Augustin deutlich, ein nachhaltiges Interesse zu generieren und seinen Teil zum Aufbruch in der Region beizutragen, der sich am offensichtlichsten im Nachbarland Indonesien mit mittlerweile 53 (!) Jazzfestivals zeigt. Gelungene nächtliche Jamsessions und ein durchweg guter Sound rundeten den Eindruck eines professionell organisierten und stets entspannten PIJF ab. Musikalisches Neuland wird hier nicht betreten, schon überraschender war die Präsenz von an der Rezeption und der Hotelbar drapierten Figuren, die dank einer mehr als coolen Klimaanlage dann doch wieder an Exotik einbüßten: Weihnachts- und Schneemänner.