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jazzfest P.Held Trio J.Schofield by Lutz Voigtlander 1Seit drei Jahren findet das WDR3 Jazzfest in wechselnden Clubs im Sendegebiet statt. In diesem Jahr war mit dem Dortmunder domicil einer der besten Jazzclubs des Landes Gastgeber.

 Von Tobias Richtsteig. jazzfest P.Held Trio J.Schofield by Lutz Voigtlanderjazzfest - Pablo Held Trio & John Scofield © Lutz Voigtlander
Dass auch das WDR3 Jazzfest von bemerkenswertem Format ist, zeigte schon ein Knüller, der sich im Programm versteckte: das Konzert des Pablo Held Trios mit John Scofield. Der rief am Ende begeistert: „Das ist genau, warum ich Musikmachen so liebe!“ Denn Pablo Held, Robert Landfermann und Jonas Burgwinkel hatten sich den Star nicht eingeladen, um einmal mit ihrem Idol aus Jugendtagen ein paar Hits spielen zu dürfen. Sie bezogen Scofield tatsächlich als vierten Mann in ihr antizipierendes Zusammenspiel ein. Da ging es nicht um „amerikanischer Großmeister vs. europäische Youngsters“, sondern um die Begegnung von Improvisatoren, die miteinander lebendige Musik schufen. Eine Europa-Tournee ist angekündigt.

Mit eher lyrischen Vorzeichen gestaltete auch der Pianist Thomas Rückert mit seinem Trio hochintensive Musik, teilweise freier improvisiert, aber immer in enger Rückkopplung miteinander. Und auch der Trompeter Lorenz Raab machte mit seinem neuen Quartett um Lucas Niggli (dr) und Matthias Löscher (g) das kompakte Rockband-Feeling im Wechsel mit jazzig selbständigem Interplay zum Thema seines mitreißenden Konzerts. Namen, die dringend auf die Merkliste gehören.

Das viertägige Festival lebte auch von deutlich gesetzten Kontrasten: Eng interagierenden Gruppen (auch Craig Taborn überzeugte mit seinem Quartett mit Chris Speed, Chris Lightcap und Dave King und einem dichten Quasi-Detroit-Techno-Set) standen herausragende Soli gegenüber. Gitarrist Nguyên Lê begleitete einen japanischen Stummfilm aus den 1920ern. Und den Rahmen des Programms steckten zwei Solokonzerte am großen Steinway. Am ersten Abend nahm Kaja Draksler dort Platz und verband mit pianistischer Autorität atmosphärisches Inside-Spiel, Verbeugungen vor James P. Johnson, Minimal Music und wohlüberlegte Eigenkompositionen zu einem fesselnden Solo. Am Bühnenrand stand Kirk Lightsey, ihr Instrumentalkollege und mehr als ein halbes Jahrhundert älter, und nicht nur er war beeindruckt von der jungen Frau. Zuvor hatte er selbst mit der Chicagoer Sängerin Dee Alexander aus dem AACM-Umfeld gezeigt, dass Jazzstandards zwar schon lange zur Tradition gehören, diese Linie aber noch immer nicht abgeschlossen ist. Mit einem Pianosolo ging das Jazzfest schließlich auch zu Ende. Der Hannoveraner Frank Woeste war aus Paris gekommen, wo er in den Bands von Médéric Collignon und Ibrahim Maalouf spielt. In Dortmund interpretierte er die Musik seines eigenen Quartetts notgedrungen alleine auf Flügel und E-Piano mit sparsamem Einsatz einer Loopmaschine. Kammermusik für den Haushalt des 21. Jahrhunderts.

Das WDR3 Jazzfest will den Jazz in NRW feiern und fördern. Das ist in diesem Jahr hervorragend gelungen – auch durch die Verleihung von WDR Jazzpreisen in einer großen Gala im Konzerthaus. Zur regionalen Nabelschau wurde es dennoch nicht. Weil es längst egal ist, ob eine Band aus Kölnern, Hamburgern und Berlinern oder Kölnern, Parisern und Amsterdamern besteht, wie Niels Klein sagte. Und der war mit der Schweizerin Sarah Buechi aufgetreten.