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Bei den Bodø Jazz Open in Nordnorwegen blasen nicht nur Trompeten und Saxofone.

Von Christoph Giese.
Vor dem Wind wurde schon vor der Reise gewarnt. Das nordnorwegische Bodø liegt auf einer Landzunge. Da kann der Wind prima reinblasen. Und das tut er in Bodø fast immer. Also kein idealer Ort für Besucher mit Fönfrisur, aber doch ein feines Plätzchen für ein Jazzfestival. Die fünfte Ausgabe der Bodø Jazz Open bewies das an vier Tagen. Nicht alles war dabei zwingend Jazz. Die junge samische Sängerin Elle Márjá Eira aus Kautokeino in der Provinz Finnmark etwa kombiniert traditionellen Joikgesang mit moderner Popmusik. Alles dreht sich dabei um das Thema Rentier, dessen Zucht prägend für Kautokeino ist. Das musikalische Verarbeiten dieser Tradition macht die Sängerin klasse, auch wenn man ihr vielleicht eine weniger rockig klingende Begleitband wünschte. Zum Teil regelrecht berührend waren die sehr gelungenen visuellen Untermalungen ihrer Lieder auf einer großen Leinwand. Selbst ihren Vater sieht man da ein wenig joiken.

Ihre Band Future Song hat Marilyn Mazur bereits 1989 gegründet, nach ihrem Ausstieg aus der Band von Miles Davis. Schon damals gehörten Bassist Klavs Hofman und Drummer Audun Kleive zur Formation. Nicht viel später kamen Trompeter Nils Petter Molvær und dann auch Gitarrist Eivind Aarset dazu. Sie alle standen nun mit der dänisch-amerikanischen Perkussionistin auf der Bühne von Sinus, dem clubähnlichen Konzertsaal im Keller von Stormen, dem erst im vergangenen November neueröffneten imposanten Konzerthaus und zu Recht neuen Stolz der Stadt. Dazu gesellten sich noch die japanische Keyboarderin Makiko Hirabayashi und die norwegische Sängerin Tone Åse. Eine große Band, die sich genüsslich in ätherische Sounds fallen ließ, natürlich mit vielfarbigen Rhythmen aufwartete, die auch mal nach Afrika schielten, und eine anspruchsvolle Fusion aus Jazz, Rock und Elektronik servierte. Mit der Zukunft hat diese Musik zwar längst nichts mehr zu tun, brillant unterhalten kann sie aber immer noch.
Festivalleiter Jan Gunnar Hoff, ein aus Bodø stammender renommierter Jazzpianist und Komponist, hat zudem die erst zum zweiten Mal stattfindende Northern Jazz Expo nach ihrer Premiere 2013 in Tromsø nun erstmals nach Bodø geholt. Ein ganzer Schwung nordnorwegischer Musiker durfte sich in einer innovativen, weil nahtlos fließenden Aufführung präsentieren. Und man hörte viel kreative Musik von jungen, vielversprechenden Künstlern. Etwa von der Soulband The Band Called Oh aus Tromsø, mit ihrem charismatischen jungen Sänger Frode Larsen, der bis rauf ins Falsett stimmlich voll überzeugte. Oder vom so wunderbar luftig und weich aufspielenden Trompeter Ole Jørn Myklebust – auch eine musikalische Stimme zum Merken.

Am Abschlussabend wurde dann auch das Scandic Havet Hotel, das höchste Gebäude Nordnorwegens, zum Spielort des Festivals. Während im Stormen das Nordnorsk Symfoniorkester ein Leonard-Bernstein-Programm spielte und zwischendurch die Premiere von Django Bates‘ „Clarinet Concerto“, das einmal mehr den augenzwinkernden Witz des britischen Komponisten offenlegte, zeigten die Isländer von Mezzoforte, dass sie nicht nur in einem Garten noch immer eine funkig-fröhliche Party zu feiern verstehen.