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Kunst sucht Publikum, besonders wenn sie klein ist. Die Internationale Kulturbörse in Freiburg hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, dem Wildwuchs des Kreativen auf organisatorischer Ebene eine Plattform zu bieten.

Von Ralf Dombrowski.kulturboerse Seadi (dombr)Seadi © Ralf Dombrowski
Angefangen hat es 1989 am Seepark der Stadt mit ein paar Ständen und Stellwänden, inzwischen ist eine umfassende Leistungsschau im Freiburger Messezentrum mit rund 350 Ausstellern und 170 live auftretenden Musikern, Kabarettisten, Straßen- und Kleinkünstlern daraus geworden, die die Aufmerksamkeit von etwa 4.000 Fachbesuchern auf sich ziehen wollen. Vier Tage im Januar haben sie dafür Zeit, und die Konkurrenz ist groß. Neben dem Networking an den Messeständen sind daher vor allem die Kurzkonzerte und Themenprogramme auf den Bühnen begehrt, um sich potenziellen Auftraggebern und Journalisten zu präsentieren.

Dort allerdings ist die Luft im Laufe der Jahre dünner geworden, denn es werden immer mehr, die sich vorstellen wollen. Zu den Jongleuren und Spaßmachern, Kabarettisten und Gauklern, Artisten und Liedermachern sind nach und nach außerdem Weltmusiker und Jazzer gestoßen. Auch hier ist das Spektrum bunt und reicht von Pittoreskem, etwa den Creole-Preisträgern von Sedaa mit Pferdekopfgeige und Hackbrett über Ethnokammerjazziges mit der Sängerin Simin Tander bis hin zu eindeutig Improvisierendem etwa von PC Energetic und dem Quintett des Saxofonisten Joscha Arnold, dem zunehmend traditionsbewussten Gipsy-Swing von Diknu Schneeberger oder dem karibischen Kolorit von Guillermo Rubalcaba mit dem Sänger Luis Frank Arias. Aus der Perspektive der Programmplaner ist diese Öffnung in Richtung Musik konsequent, schließlich reagieren Holger Thiemann und sein Team auf die Wünsche nach Vielfalt, die vom Fachpublikum an sie herangetragen werden.
kulturboerse (dombr)kulturboerse © Ralf Dombrowski
Einige Jazzlabels wie GLM, Enja, Traumton oder auch einzelne Künstler wie das Flamenco-Duo Café Del Mundo nutzen das Forum bewusst, um Spezialisten zu treffen, die einem bei anderen Gelegenheiten nicht begegnen. Man muss schließlich schauen, wo man bleibt in Zeiten wie diesen, wo sich das Live-Geschäft (neben Verlagsarbeit und Licensing) immer mehr zur zentralen Einnahmequelle von Musikern entwickelt. Mit etwas fatalistischem Humor kann man sogar behaupten, dass es sich um einen Schritt zurück zu den Wurzeln handelt, schließlich hat der Jazz ja einst in den Vergnügungsvierteln angefangen. Wahrscheinlich ist das sogar der eigentliche Impuls, der für die Improvisatoren wichtig ist. Denn von den Kollegen der Nachbarzünfte kann man noch etwas lernen. Wenn man erlebt, wie manch einer staunt, wenn Spot the Drop die Bälle werfen, oder wie das Publikum sich vor Freude kugelt, wenn die reschen Klagenfurter Mädels von RaDeschnig Disco-Tänzer verulken oder Die Strottern im trockenen Wiener Slang das Künstlertum an sich persiflieren, dann wird klar, dass ein wenig Entertainment auch bei einer Musik nicht schaden kann, der sonst der Ernst ins Arrangement geschrieben wird. i