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Sound Lake City hat sich in Münster mit einem soliden Format aus Mainstream-Jazz, World Music und gehobener Popmusik etabliert und veranstaltet einmal im Jahr die Münster Music Days.

 Von Jan Kobrzinowski. musicdays muenster
2015 sorgten Curtis Stigers und Klaus Doldingers Passport jeweils für ein volles Haus. Solche kommerziellen Erfolge ermöglichen den Münsteraner Julian und Roman Wasserfuhr Ensemble © Stefan StreitzSLC-Machern, ab und zu etwas weniger Populäres zu bieten. Man bleibt jetzt gelassener, wenn bei einem der Konzerte ein paar Reihen des vierhundert Plätze fassenden Konzertsaals Cloud leer bleiben. Das war beim einzigen nicht ganz ausverkauften Music Day 2015, beim Auftritt des Ensembles der Brüder Wasserfuhr, der Fall.

Curtis Stigers streicht sich mittlerweile keine wallende Mähne mehr aus dem Gesicht, wenn er seinen 92er-Hit „I Wonder Why“ zum Besten gibt. Inzwischen graumeliert, hat der Crooner nicht nur das Alt- gegen das sonore Tenorsaxofon getauscht, und es schwärmen inzwischen nicht mehr die jungen Mütter, sondern eher reifere Hausfrauen für ihn. Zugegeben: Die Show des Vollblut-Entertainers ist stimmig, und seine Band überzeugt mit perfekter Qualität. Der gut gewählte Klassiker „You Don’t Know What Love Is“ als Zugabe zeigte obendrein, dass Stigers auch ein zunehmend jazzigeres Repertoire brillant interpretieren kann.

Gewiss ist Klaus Doldingers Musik in die Jahre gekommen; man muss den Jazzrock-Sound der 70er nicht unbedingt mögen, aber ihn als Person kann man eigentlich nur lieben. Mit seinen bald 80 Jahren ist und bleibt er Sympathieträger und Kultfigur, eine der Ikonen des deutschen Jazz, ja der populären Musikkultur dieses Landes. Und wen, wenn nicht ihn, darf man ohne Umschweife Urgestein nennen? Jazzrock aus seiner Hand behält den Human Touch, dafür sorgt neben Doldingers kompositorischer Leistung auch die jeweilige Passport-Besetzung (herausragend: Martin Scales an der Gitarre). Auch das Quartett von Roman und Julian Wasserfuhr funktionierte bestens, es bot filigranen Jazz mit hoher solistischer Qualität. Das in einige Kompositionen eingearbeitete Streichquartett wirkte anfangs etwas frostig, Gastsänger David Rynkowski ein wenig manieriert, gegen Ende fand das gesamte Ensemble dann aber besser zusammen und bot einen gediegenen Jazzabend, den auch jazzunerfahrene Zuschauer mit stehenden Ovationen quittierten.

Sound Lake City vergisst nicht, dass es in jeder Stadt auch eine lokale Musikszene gibt. Der Folk-Poet und Songschreiber Jan Löchel fungiert nicht nur als Patron und Fürsprecher von SLC, sondern eröffnete mit seinem Projekt Jylland die Music Days mit sensiblen englischsprachigen Songs zur akustischen Gitarre aus eigener Feder, begleitet wurde er von zwei einfühlsamen Musikern an Geige und Slidegitarre. Die SLC-Konzertsaison 2015 geht weiter mit Frauenpower: Im April singt Jazz- und Pop-Chanteuse Silje Nergaard aus Norwegen, und im Mai feiert die lokal bekannte Sängerin und Songschreiberin Nikola Materne im Kreise ihrer Musikerkollegen ihr Bühnenjubiläum. Im Oktober kommen dann Rebekka Bakken und Cristina Branco nach Münster.