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Wenn ein Preis ohne Unterbrechung seit zehn Jahren verliehen wird, muss er schon etwas Besonderes bieten, damit man ihm den Namen Neuer Deutscher Jazzpreis noch abnimmt. Das hat er in diesem Jahr getan.

 von Hans-Jürgen Linke. jazzpreis mannheim Pichlers Photo SchindelbeckAndreas Matthias Pichlers © Frank Schindelbeck
Zum ersten Mal gab es in der Alten Feuerwache in Mannheim nicht nur den Solisten- und den Hauptpreis, sondern auch einen Kompositionspreis. Und ein Kompositionspreis im Jazz, das ist nun wirklich neu. Im Übrigen sieht der Vergabemodus vor, dass eine Jury aus dem Bewerbungsstapel etwa zehn Bands auswählt, die einem vorher bestimmten Kurator vorgelegt werden, und der kürt daraus drei für die Endausscheidung. Kurator war diesmal Kenny Garrett, die Entscheidung über die Preise trifft das Publikum.

Den Komponistenpreis vergab die Jury der veranstaltenden IG Jazz an Jürgen Friedrich, der an der Mannheimer Musikhochschule lehrt. Im Quartett mit dreien seiner Studenten (Michael Schreiner – Saxofon, Tobias Schmitt – Bass, Dominik Fürstenberger – Schlagzeug) wurde schnell klar, was dahintersteckt: feinsinnig balancierte, im Gestus introvertierte, klanglich ausgefeilte und dramaturgisch sensible Kammermusik für Jazzquartett. Kurator Kenny Garrett und seine Band ließen danach mit energetisch verdichtetem Gruppenspiel die Kuh fliegen.

Im Wettbewerb standen: die aus Bregenz stammende, in Köln niedergelassene Vokalistin Filippa Gojo mit ihrem Quartett; zweitens das Duo der Zwillingsbrüder Andreas und Matthias Pichler, die als Andreas Matthias Pichler auftreten; sowie Lutz Häfner und Rainer Böhm, die als Jazz-Duo mit Cello-Quartett neue Wege beschreiten. Die Publikumsentscheidung fiel zweifach klar für Filippa Gojo aus. Sie bekam den Solistenpreis und mit ihrem Quartett den Hauptpreis. Die Band schaffte es, in der zur Verfügung stehenden halben Stunde das plastische Bild eines konzentriert atmenden Gruppensounds zu inszenieren und Konturen der stimmlichen und kompositorischen Fähigkeiten der Bandleaderin erkennbar zu machen.

Lutz Häfner und Rainer Böhm haben ihre raffinierte Duo-Arbeit um ein Cello-Quartett erweitert, aber das Projekt steckt noch ein wenig in seinen konzeptionellen jazzpreis mannheim Gojo Photo SchindelbeckFilippan Gojo © Frank SchindelbeckAnfängen. Der Cello-Klang ist fast nur als mulmig-weicher Hintergrundsound präsent, weit unter den klanglichen und dramatischen Möglichkeiten eines Cello-Quartetts. Einmal mehr zeigt sich, dass die Zusammenarbeit von sogenannten Jazz- mit sogenannten E-Musikern ein Bewusstsein für den Schatten der eigenen Idiomatik verlangt wie auch die Bereitschaft, sich darüber hinaus zu bewegen (nicht unbedingt zu springen).

Die beiden Pichler-Brüder waren mit epischem Songmaterial nach Mannheim gekommen, untermalt von einem singenden Bass und einem manchmal etwas ärmlich und rau klingenden Schlagzeug und mit zweistimmigem Gesang, der ein wenig nach Simon & Garfunkel klang. Aber der dramatische Aufbau beziehungsweise dessen konstitutive Lässigkeit – ältere Herrschaften konnten sich von fern an die alte Hippie-Combo Incredible String Band erinnert fühlen – strapazierte doch ein wenig den Geduldsfaden des auf Jazz wartenden Publikums.