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ozella1Eine neue exklusive Veröffentlichungsreihe des Labels Ozella überschreitet die Grenzen zwischen Kunstgattungen und spricht damit mehrere Sinne an.



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Mit einer bemalten Holzplastik plus Vinylalbum, jeweils in einer Miniauflage von zwölf Stück, startet Ozella Music eine neue Kunstreihe: Wood‘n’Vinyl. Label-Betreiber Dagobert Böhm gibt Auskunft.

Christoph Wagner: Seit wann gibt es Ozella Music und was ist die Ausrichtung des Labels?

Dagobert Böhm: Das Label habe ich 1999 gestartet. Die erste Platte war meine eigene – ich bin selbst Musiker, Gitarrist. Ich hatte die Idee, mir eine Plattform zu schaffen, um eigene Sachen zu veröffentlichen. Es kamen dann tolle Musiker auf mich zu. Der Saxofonist Karl Seglem aus Norwegen war der erste, der ein Album bei mir machen wollte. Ich hatte ihn zufällig auf der Weltmusikmesse Womex in Sevilla getroffen. Er gab mir ein Album, zu den zwei vollen Tragetüten an CDs, die ich schon mit mir rumschleppte. Aber sein Album war dann dasjenige, das bei mir den nachhaltigsten Eindruck hinterließ. Seine Produktion New North auf Ozella Music war sehr erfolgreich. Daraufhin wurden wir von etlichen Musikern aus Norwegen angesprochen. Helge Lien kam damals auf mich zu. Das ergab dann gleich zu Anfang einen Schwerpunkt Skandinavien. Die Arbeit für das Label nahm zu und drängte mein eigenes Musikschaffen zeitweise etwas in den Hintergrund.

Christoph Wagner: Etliche eurer Platten wurden im Rainbow Studio in Oslo eingespielt, für den Jazz fast ein heiliger Ort.

Dagobert Böhm: Das ist richtig. Das Rainbow Studio liegt in einem recht unspektakulären Industriegebiet, ist aber von der Außenwelt akustisch völlig abgekoppelt. Du siehst einen Sattelschlepper draußen vorbeifahren, hörst aber keinen Mucks. Jan Erik Kongshaug, der Studiobetreiber, gilt als Zauberer der Aufnahmetechnik und hat sich da einen magischen Ort geschaffen. Alle Großen des skandinavischen Jazz von Jan Garbarek bis Terje Rypdal haben hier schon aufgenommen. Es ist für mich immer ein Erlebnis, mit Kongshaug zu arbeiten. Die Aufnahmen von Helge Lien haben wir dort gemacht.

Christoph Wagner: Was muss eine Musik haben, um auf Ozella Music zu erscheinen?

Dagobert Böhm: Sie muss mich berühren, das ist das einzige Kriterium. Die Musik muss Herz und Seele ansprechen. Wie sie das schafft, ist schwer zu erklären. Es gibt viele tolle Musiker, deren Musik mich kaltlässt. Es würde mich dann weniger reizen, deren Musik zu veröffentlichen.

Christoph Wagner: Kleinen Labels kann es passieren, dass Musiker, sobald sie bekannter werden, zu größeren Firmen wechseln.

Dagobert Böhm: Das ist Teil des Musikgeschäfts. Wir haben uns immer als kleines Label verstanden, haben nie vorgehabt, riesig zu wachsen und irgendwelchen größeren Firmen Konkurrenz zu machen. Wir haben das immer realistisch gesehen.

Christoph Wagner: Also: Small is beautiful?

Dagobert Böhm: Irgendwie schon. Als kleines Label mit guten Partnern rund um den Globus kann man eine Menge bewegen. Man kann auch ganz besondere Dinge machen, die für größere Firmen nicht in Frage kommen.

Christoph Wagner: Hast du da an deine neue Reihe „Wood‘n’Vinyl“ gedacht – eine Schallplatte mit einem Kunstwerk gepaart. Was steckt dahinter?

Dagobert Böhm: Ich habe mit dem Künstler Werner Schlegel schon länger an dieser Idee herumgedacht. Werner ist ein alter Bekannter. Wir haben manchmal in seinem Atelier zusammengesessen und über ein gemeinsames Projekt fantasiert, Kunst mit Musik zu verbinden. Und jetzt haben wir diese Idee realisiert. Werner macht für eine Schallplatte zwölf Bildskulpturen aus Pappelholz, die ein ähnliches Design besitzen. „Unikate gleichen Charakters“ lautet der Fachausdruck. Er arbeitet die Bemalung aus dem Holz heraus, wobei er sich mit der Musik beschäftigt, zu der er die Bildskulptur entwickelt.

Christoph Wagner: Welche Musik wurde dazu ausgewählt?

Dagobert Böhm: Die Schallplatte für unser erstes Wood‘n’Vinyl-Kunstwerk ist Guzuguzu des Helge Lien Trios. Die Platte wurde im Rainbow Studio aufgenommen – eine ganz exquisite Produktion. Die Band war sehr gut eingespielt. Es sind fast nur First Takes auf der Platte enthalten. Diese Einspielung ist etwas Besonderes geworden, weswegen wir sie für den Start von Wood‘n’Vinyl ausgewählt haben. Nr. 2 ist ebenfalls ein Album mit Helge Lien, das er mit der Sängerin Live Maria Roggen aufgenommen hat. Wir starten also mit einem Doppelpack.

Christoph Wagner: Welches Zielpublikum habt ihr für diese hochwertigen Kunstproduktionen im Auge?

Dagobert Böhm: Das werden wir erst herausfinden, wenn die Sache angelaufen ist. Wir hoffen auf Leute, die vielleicht immer schon mal Kunst gekauft haben, die aber auch unsere Alben mögen und auf diese Verbindung von Kunst und Jazz ansprechen. Denn das sind schon wirklich ganz besondere Sammlerstücke.

Christoph Wagner: Wo kann man die Wood‘n’Vinyl-Kunstwerke erwerben, im normalen Schallplattenhandel wohl eher nicht. Gibt es Galerien oder Kunsthandlungen?

Dagobert Böhm: Im Moment gibt es sie nur über unsere Website. Wir planen da jetzt gar nicht groß, sondern machen mal und werden dann sehen, welche Möglichkeiten sich eröffnen. Wir müssen natürlich etwas verkaufen, um weitermachen zu können. Aber da bin ich guten Mutes, weil wir etwas in der Hand haben, was es so bisher noch nicht gab – vielleicht eine etwas verrückte Idee, aber etwas ganz Spezielles.

Website:
www.ozellamusic.com