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hoerbucht 0917Reduktion
Weniger ist mehr. Weniger Intro. Mehr Facetten. In der Hörbucht…
Björn Simon



Stefanie Sargnagelhoerbucht 0917

Statusmeldungen
tacheles! / Roof
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Die österreichische Literatin und Slackerin – so nennt sie sich selbst – Stefanie Sargnagel ist in ihrem Heimatland zu einem roten Tuch geworden, insbesondere für die besonders weit rechts stehende KRONEN ZEITUNG ist sie ein Hassobjekt, das mit Pressekampagnen verfolgt wird, was die Autorin mit bemerkenswerter Gelassenheit hinnimmt. Ihr Publikum hat sie im Internet und bei Lesungen gefunden, und die Statusmeldungen, die sie hier wie dort abgibt, sind von einem bemerkenswerten Witz, oft aber auch von einer tiefschwarzen Melancholie.

Ihren Lebensunterhalt hat Sargnagel lange Zeit in einem Call-Center verdient, und die tagebuchartigen Einträge, die mit „Rufnummernauskunft, Stefanie Fröhlich, was kann ich für Sie tun?“ beginnen, leiten oft die skurrilsten Geschichten ein. Da möchte jemand die Privatnummer von Helene Fischer, um mit ihr ein Duett zu singen, oder das Frauchen eines Golden Retriever bittet um Tipps für dessen Gesundheitsbehandlung. Sargnagel rapportiert diese kurzen Gespräche mit der gebotenen Lakonie und enthält sich meist jeglichen Kommentars. Andere Einträge bestehen oft nur aus einem Satz – und man würde sie Aphorismus nennen, wenn dieser altväterliche Gattungsbegriff nicht so schlecht zu Sargnagel passen würde. Damit hat sie ihre Ausdrucksform gefunden, und sie thematisiert sogar die Annäherungsversuche etablierter Verlage, die ihren Erfolg natürlich wahrgenommen haben und sie gerne drucken würde, aber bitte mit etwas Längerem, etwa einer Sammlung von Kurzgeschichten. Dabei ist das erkennbar nicht Sargnagels Welt, denn alle ihre Beobachtungen beruhen auf der fast schon mikroskopisch feinen Wahrnehmung der Realität, gefiltert höchstens durch die misanthropische Weltsicht der Autorin: „Nach einer Stunde im teuren pastellfarbenen Holzspielzeug-Geschäft, um für die Kinder der Familie Geschenke zu finden, habe ich plötzlich das Bedürfnis, ihnen eine gefälschte Barbie aus dem Ein-Euro-Shop mit richtig fetten Titten zu schenken.“
Gelesen wird das alles mit dem feinen Wiener Schmäh, der sogar Mutmaßungen über den Geruch der eigenen Fäkalien beinahe – na gut, wirklich nur beinahe – charmant klingen lässt.
Rolf Thomas