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hifi0118 0Beim Plattenspieler TN-570 von Teac dreht sich nicht nur alles um die Musik. Er sieht auch noch gut aus.

Von Peter Steinfadt hifi0118 1Teac TN-570

J02 orangeHolla die Waldfee, ist der hübsch! Verliebt. Dieser Gedanke schießt einem beim Anblick des Plattenspielers Teac TN-570 sofort durch den Kopf. Ist das echter Marmor? Nein, ist es nicht. Unter dem 16 Millimeter dicken Plattenteller aus klarem Acrylharz besteht die obere Gehäuseplatte aus künstlichem, sehr edlem Onyx-Emperador-Marmor. Darunter sitzt eine massive MDF-Platte. Diese eigens von Teac entwickelte Chassiskonstruktion im Sandwichbauprinzip soll unerwünschte Resonanzen verhindern und Hörgenuss garantieren. Mittels eines klassischen Riemenantriebs – der Flachriemen besteht aus hochstabilem Polyurethan – und eines neu entwickelten, schwimmend gelagerten Motors erreicht der hübsche Japaner eine Gleichlaufqualität, die etablierten Direkttrieblern kaum nachsteht. Bei der Wiedergabe von Schallplatten eiert hier nichts. Der Teller des Teac TN-570 dreht sehr ruhig und lässig seine Runden. Immer schön gleichmäßig rotierend in der Rille. So muss das.

Ein silberner Drehknopf aus Aluminium regelt elektronisch die Geschwindigkeit zwischen 33 1/3 und 45 Umdrehungen pro Minute. Der höhenverstellbare, schnörkellose S-förmige Tonarm beherbergt serienmäßig ein vormontiertes Tonabnehmersystem: das gute Mittelklassesystem von Audio Technica, Modell AT100E. Mit dem ausgelieferten System kann man wirklich gut leben. Wer will, kann jederzeit ein höherwertigeres Tonabnehmersystem montieren.

Der TN-570 hat das Potenzial, auch teure Systeme zur vollen Entfaltung zu bringen. Fantasie und Preisen sind hier kaum Grenzen gesetzt. Sehr praktisch ist der eingebaute Phonovorverstärker, der das delikate Ausgangssignal des Tonabnehmers verstärkt. Das Tonsignal kann auch digital gewandelt werden. Anschlüsse sind hier ein USB- oder Toslinkkabel. Der TN-570 besitzt einen hochpräzisen High-Resolution A/D-Wandler von Texas Instruments. Mittels eines Reglers an der Rückseite des Gerätes kann zwischen 192 kHz, 96 kHz oder 48 kHz und 24 Bit umgeschaltet werden. Zur Übermittlung von PCM-Daten an einen Computer steht ein USB-Anschluss zur Verfügung, über den 48 kHz/16 Bit erreicht werden. Das ist Standard-CD-Qualität und ideal, um z.B. Plattenaufnahmen auf dem heimischen PC zu archivieren. Die Brücke ins Digitale funktioniert einfach und bestens. hifi0118 2

Wir hören aber mal ganz konventionell in einige Platten rein. Die beiden Doppelalben Pangaea (Reissue: Four Men With Beards, Columbia, 1975) und Agharta (Reissue: Music on Vinyl, Columbia, 1975) von Miles Davis wurden am 1. Februar 1975 aufgenommen; Agharta beim Nachmittagskonzert, Pangaea beim Abendkonzert in der Festival Hall in Osaka. Miles und sein Team, insbesondere Perkussionist Mtume, produzieren einen bis heute unerreichten Wall-of-Sound, einen sumpfig-schwülen polyrhythmischen Dschungel mit schneidenden Trompetentupfern des Meisters. Die unglaubliche Dichte der Musik vermag der Teac-Plattenspieler vortrefflich darzustellen. Das Brodeln sowie die messerscharfen Gitarrenriffs stehen detailreich im heimischen Raum. Hier spielt die vielköpfige Crew schön differenziert, und die Wiedergabe ist hochauflösend.

Das Album Lilies (Pias, 2017) der Belgierin Melanie De Biasio ist meine persönliche Platte des Jahres 2017. Für die Aufnahmen saß De Biasio nach eigenen Angaben in einem Raum ohne Licht, ohne Tag und Nacht. Diese gefühlvolle, atmosphärische Musikumgebung – als hätte Billie Holiday ein Album mit Portishead aufgenommen. Die Intonation ihrer Stimme zwingt zum Zuhören. Weghören geht gar nicht. Nicht verwunderlich, dass die Belgierin 2015 mit dem EBBA (European Border Breakers Award) ausgezeichnet wurde. Unser Dreher aus Japan vermag auch hier zu begeistern. Nicht durch einen gutturalen Grundton und Mittendarstellung, vielmehr durch ein helles, fein ziseliertes Timbre. Dies mag auch am montierten Tonabnehmer liegen. Es ist immer schwierig, einen Dreher alleine zu beurteilen. Das Zusammenspiel mit dem Tonabnehmer macht letztlich die Musik.

Zusammengefasst: Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick? Ich schon. Und wenn dann noch die gemeinsam verbrachte Zeit in „echte Liebe“ umgewandelt wird, nachdem der erste Rausch verflogen ist – umso besser. Der Teac-Plattenspieler ist ein solches Gerät. Er erfreut täglich das Auge und ist so für den Musikliebhaber beziehungstauglich. Diese wertbeständige, romantische Alltagsliebe kostet im Fachhandel 999 Euro (UVP).

Das kann man schon mal für langfristige Musikgefühle investieren. Für den aufgerufenen Preis erhält man ein ausgezeichnetes Produkt in guter Verarbeitung. Jahrelange Freude ist garantiert. Und für alle, die auf einen integrierten Phonoverstärker und die digitale Schnittstelle verzichten können, gibt es den Plattenspieler unter dem Namen TN-550 auch als reines Laufwerk ohne digitalen Schnick und Schnuck. Dann kostet er auch entsprechend weniger. Hat was.

Website:
www.teac-audio.eu