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J02 orangeIn vielen Stadtteilen unserer Metropole gehören von Musikern organisierte Jazzgigs zum festen Programm. Hier können Londoner Jazzmusiker ihr Publikum finden.

 

 

Es grenzt fast an ein Wunder, aber diese kleinen eklektischen Veranstaltungsorte überleben meist ohne finanzielle Förderung, und das manchmal sogar mit freiem Eintritt.london scotney
Wie Sarah Chaplin, die Betreiberin des umfassendsten Veranstaltungskalenders unserer Hauptstadt, der Website JazzinLondon.live, bestätigt: „Diese Gigs bieten erstklassigen Zugang zum Jazz. Sie stellen einen wichtigen Teil des Musikangebots dar.“

Wo finden sie statt? Die Woche beginnt montags mit dem Gig im Red Lion in Isleworth im Südwesten Londons. Hier gehe ich besonders gerne hin, mehr dazu weiter unten. Der Schlagzeuger Clive Fenner organisiert dienstags seinen East Side Jazz Gig in Leytonstone im Nordosten Londons. Da hörte ich einmal sogar den damals dort ansässigen Kenny Wheeler – für ein Eintrittsgeld von £3! Mittwochs geht es wieder in den Südwesten zum Bull’s Head in Barnes, wo ein Musikerkollektiv namens Way Out West spielt. Auch interessant am Donnerstag sind die Veranstaltungen im Karamel in Wood Green, Nordlondon. In dieser ehemaligen Bonbonfabrik ist öfter der bekannte Trompeter Henry Lowther bei wöchentlichen Gigs zu hören. Die Zukunft dieses Veranstaltungsortes steht allerdings gerade infrage. Der beste Freitagsgig findet nur einmal im Monat statt, und zwar im Con Cellar am Kanal in Camden Town, wo sich die junge Szene trifft. Am Sonntag hat man die Qual der Wahl. Da spielt Simon Carter Keyboard im Boaters, einem Pub an der Themse in Kingston. In Welwyn Garden City kann man Stan Traceys Sohn Clark hören, und im Dalstoner Vortex Club finden Hannes Rieplers hochkarätige Jam Sessions statt.

Der Montagsgig in Isleworth wurde zehn Jahre lang vom Kontrabass-Spieler Phil Bates organisiert. Nach seinem Tod vor sieben Jahren übernahm der Schlagzeuger Trevor Tomkins die Leitung. Er stellt gerne Jazzquintette und -sextette vor. Stolz erzählte er mir von der Fünf-Generationen-Jazzband, die gerade gespielt hatte. „Diese Mischung von Jung und Alt – da müssen wir Alten uns anstrengen, aber die Jungen profitieren von unserer größeren Erfahrung.“ Und was ist sein Ziel? „ Mein Wunsch ist es, das Musikverständnis unserer Zuhörerschaft zu erweitern, ihnen ein breiteres Spektrum zugänglich zu machen.“ Dann ging er, wie in jeder Pause, nach draußen, um eine Zigarette zu paffen und über sein Baby, diesen besonderen Teil des Londoner Jazzerbes, nachzudenken.

Jazzjournalist Sebastian Scotney betreibt die Website www.londonjazznews.com und macht Dokumentarberichte für BBC Radio 3 und JazzFM.