© Arne Reimer

Von Arne Reimer. Zum 14. Mal fand Mitte Januar für eine Woche in New York das Winter Jazzfest statt, welches seinen Höhepunkt bei dem sogenannten Marathon erlebte, als 130 Gruppen an je zwei Abenden auf elf unterschiedlichen Bühnen auftraten. Somit hatte man die Qual der Wahl und musste sich vorher selbst sein Programm zusammenstellen. Die Spielorte sind ausgewählte Clubs im Bereich der Bleecker Street und New School, die sich innerhalb von fünf bis zehn Minuten erreichen lassen. Das Festival gibt nicht nur etablierten Musikern die Möglichkeit, ein neues Programm oder eine neue Band vorzustellen, sondern präsentiert ebenso gerne auch Newcomer. Daher sichtet man hier auch europäische Konzertveranstalter, die nach neuen Talenten suchen. Wer hier spielt, hat etwas zu sagen – meistens jedenfalls.

Insgesamt gibt das Festival einen guten Einblick über aktuelle Tendenzen und Bewegungen, mit Jazz aus New York, Chicago oder Los Angeles, wie zum Beispiel der Flötistin Nicole Mitchell, Vertreterin des Afrofuturismus und diesjährige Artistin in Residence, die gleich drei Konzerte mit unterschiedlichen Besetzungen spielte. In seiner Ausrichtung und dem Begleitprogramm versteht sich das Festival eindeutig als politisch, genauso wie viele Musiker, die in ihren Ansagen und in ihrer Musik auf Diskriminierung und Ungerechtigkeit hinwiesen, neben Mitchell beispielsweise Greg Lewis oder Darius Jones.

Andere dagegen kamen fast ohne Worte aus, wie Donny McCaslin, der während seines Konzerts einfach nur lächelnd die Faust in die Luft hielt und dazu rief: „New York!“ Sein Konzert glich einem lauten Popkonzert. Am Schlagzeug saß Mark Guiliana, der am folgenden Abend mit seinem eigenen Quartett und einer sehr dynamischen Spielweise überzeugen konnte. Dan Weiss spielte im Muskelshirt mit Goldkettchen Heavy-Metal-Jazz, sehr geerdeten Gesang gab es von Becca Stevens, wie so oft langweilte James Carter mit Technik-Angeberei, ebenfalls musikalisch fade waren die Kompositionen von Antonio Sanchez. Positiv hingegen überraschte die junge Trompeterin Jaimie Branch aus Chicago mit einem frischen Ansatz.

 Gilles Peterson durfte einen ganzen Abend britische Musiker präsentieren, darunter beeindruckten Gruppen von zwei Frauen: die der Tenorsaxofonistin Nubya Garcia und die der Trompeterin Yazz Ahmed. Auch wenn man nur einen Bruchteil des Gesamtprogramms wahrnehmen kann, so lohnt sich ein Besuch dieses Festivals unbedingt, denn nicht alle Musiker wird man auf europäischen Bühnen hören können – aber hoffentlich so einige.