
© Felix Koenig
JazzBaltica
Timmendorfer Strand
Von Angela Ballhorn. Das JazzBaltica-Festival geht seit 35 Jahren „strong“. Nils Landgren ist seit mittlerweile 14 Jahren für das Programm zuständig und taucht mit seiner roten Posaune auf allen Bühnen in Timmendorfer Strand auf. Ende Juni wurde mit 21.000 Besuchern ein neuer Rekord verzeichnet, zudem Rekordhitze mit knapp unter 40 Grad und hoher Besuch aus der Politik (Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther).
Wasserflasche und Fächer halfen nur wenig. Die Musiker auf der Bühne konnten einem leid tun. Die überall aufgestellten Ventilatoren linderten die Temperaturen kaum. Nach der ebenfalls heißen Sail in Kiel mutmaßte Frank-Walter Steinmeier, dass „Schwitzen in Schleswig-Holstein“ ein neuer Trend sei. Und Drummer Emil Brandqvist scherzte in der Ansage seines sehr filigranen Konzerts, dass er ein sehr teures Hemd habe, das immer neue dunkle Muster entwickle.

Michael Mayo © Felix Koenig
Der Trend ging 2026 zu Big-Band-Besetzungen. Mit den Landesjugendjazzorchestern von Hamburg und Schleswig-Holstein, der Danish Radio Big Band, der Norbotten Big Band und der NDR Bigband waren es gleich fünf. Mal mit Gästen – Ivan Lins und die New York Voices wurden von Ralf Schmids wunderbaren Arrangements für die Danish Radio Big Band umschmeichelt, Michael Mayo hatte die Norbotten Big Band hinter sich -, mal mit der Big Band als Mittelpunkt. Der NDR Bigband wurde von ihrer Leiterin Nikki Iles eine neue Handschrift verpasst. Die wunderbar stimmungsvollen Kompositionen wurden mit ungewohnten Instrumenten wie Akkordeon oder Röhrenglocken aufgeführt.
Zu den Festival-Highlights gehörten das Quartett Arcanum mit Trygve Seim, Arve Henriksen, Anders Jormin und Markku Ounaskari, das Trio der estnischen Pianistin Britta Virves sowie der südafrikanische Pianist Nduduzo Makhathini. Von Letzterem stammte der schönste Satz des Festivals, als er vor seinem mitreißenden Auftritt beim Soundcheck auf den Klavierstimmer zuging, auf den Flügel zeigte und fragte: „Is she okay?“

Ivan Lins © Felix Koenig
Mit dem Saxofonisten Ben Prechtl wurde erneut ein junges Talent mit dem IB.SH JazzAward ausgezeichnet. Sein Open-Air-Konzert zeigte, dass er Tradition und Moderne in Kompositionen und Saxofonsound gut verbinden kann. Im abwechslungsreichen Festivalprogramm blitzten immer wieder Mindfulness wie politische Themen auf. Alma Naidu begeisterte mit ihrem Aufruf, Frauen nicht als Besitz zu betrachten. Der Schlagzeuger Carsten Lindholm erzählte von seinem Dankbarkeitstagebuch und spielte sich mit seinem Trio, bestehend aus Eva Kruse am Bass und Stefan Aeby am Klavier, durch 100 Jahre dänische Jazzgeschichte. Zum Ausklang eines schweißtreibenden Wochenendes war eine aufgemotzte 4-Wheel-Drive-Besetzung mit Gast Magnus Lindgren samt Blechbläsern der Bielefelder Philharmoniker, mit denen er seit Jahren eng zusammenarbeitet, sowie der Sängerin Ida Sand, die China Moses ersetzte, absolut passend.



