Live-Tipp
Enjoy Jazz – 28th Festival for Jazz and More
Von Jean Stand. Ein Festival beschäftigt eine ganze Metropolregion, fast zwei Monate lang, vom 2.10. bis 7.11. Der Sinn der über 60 Veranstaltungen des Enjoy Jazz Festivals in der Metropolregion Heidelberg – Mannheim – Ludwigshafen ist in jedem Jahr derselbe: einem ganzen Landstrich im Süden der Republik den Stellenwert von Jazz und anderer aktueller Musik nahezubringen. Mit einem Festival für Menschen, die nachdenken, reflektieren und dem Kunstgenuss eine besondere Bedeutung geben: als Äquivalent für das Erleben von Vielfalt, von Reflexion und Kontemplation, mit den Nebenwirkungen des Wertschätzens eines guten Lebens, dem Ausleben von Freiheit in gegenseitigem Respekt. Und natürlich soll auch die Legitimität der einfachen Freude an der Musik zum Ausdruck gebracht werden.
Mit dem diesjährigen Motto Beauty, das Festivalleiter Rainer Kern und sein Team dem Festival gegeben haben, soll allerdings keine rein ästhetische Frage aufgeworfen werden. Beweggrund ist vielmehr, zu verstehen, „was Schönheit für Künstler*innen, Kulturschaffende, Wissenschaftler*innen und das Publikum bedeutet, welche Ideen, Eindrücke und Erlebnisse damit verbunden sind.“ Neben Konzerten gibt es auch Angebote für Diskussionsrunden und philosophische Gespräche.
Beim Enjoy Jazz Festival 2026 spielen natürlich auch die 100. Geburtstage von Miles Davis und John Coltrane eine Rolle. Gewürdigt werden die Jazzlegenden mit Auftritten von Theo Croker (Miles Davis Mixtape feat. Gary Bartz and Ego Ella May) sowie Isaiah Colliers The Chosen Few, einer Listening Session mit Ashley Kahn und dem Film Miles Davis: Birth of the Cool.
Eingebettet ins Festivalprogramm sind die Verleihung des SWR Jazzpreises (in diesem Jahr geht er an Olga Reznichenko) und eine „langfristig angelegte strukturelle Kooperation“ mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim, die ab 2027 eine Band für eine Headliner-Show im Rahmen des Festivals nominieren soll.
Zwei strukturelle Schwerpunkte liegen in diesem Enjoy-Herbst auf dem Thema Gesang und dem Aspekt der Soloperformance. Mit den Sänger*innen Savina Yannatou, Lamia Bedioui, Elina Duni, Samora Pinderhughes, Lizz Wright, Melody Gardot und Gregory Porter konnte man herausragende Akteur*innen verschiedener Vokalgenres gewinnen. Die Spanierin Carme López verbindet in ihrem Soloprogramm galizischen Dudelsack, Gesang, ethnographische Forschung und experimentelle Klänge. Weitere Solokünstler*innen sind der Bassist Björn Meyer und die Flötistin und Elektronikerin Delphine Joussein. Der Pianist Jason Moran widmet sich solo dem Werk von Duke Ellington, und zum Abschluss des Festivals wird Brad Mehldau mit einem Solokonzert einen ganz eigenen Beitrag zum Festivalmotto liefern. Weitere Highlights des Programmes sind Lakecia Benjamin, Émile Parisien Floating, das Maciej Obara Quartet, das Nils Petter Molvær Trio u.v.a. Encore-Konzerte geben Samara Joy am 17.11. und das Trio des Bassisten Avishai Cohen am 10.12. Alle Enjoy-Jazz-Termine im Oktober findet man unter Clubs PLZ 60000 in diesem Heft.
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