55. Internationale Jazzwoche

© Robert Fischer

© Robert Fischer

Burghausen

Von Robert Fischer Das Beste kommt zum Schluss? Bei der 55. Ausgabe der Jazzwoche in Burghausen war das Finale am Sonntagnachmittag wohl das, was am nachhaltigsten in Erinnerung bleibt. Auch wenn der Auftakt am Mittwoch ebenfalls grandios war: Mit dem Trio Renner standen die Sieger des diesjährigen Nachwuchsjazzpreises auf der Bühne und konnten sich nicht zuletzt über die freundlichen Worte des nach ihnen spielenden Stargitarristen Mike Stern freuen, der seine Anerkennung in die rhetorische Frage kleidete, was denn das für eine fantastische Band sei, die er da gerade gehört habe. Als weiteres Stargastspiel angekündigt war der Auftritt des Schlagzeugers Wolfgang Haffner, für den er neben illustren Gästen wie Nils Landgren, Viktoria Tolstoy und Jakob Manz auch den Balkan-Popper Shantel eingeladen hatte, der aber leider den Konzertsaal mit einer Partymeile verwechselte.

Wesentlich mehr Zuspruch erfuhr die Formation Blue Moods um den Trompeter Theo Croker, mit der er „Miles in the Golden Hour“ Tribut zollte, dem Jazz-Übervater Miles Davis also, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre. Starpower war auch mit dem grammyverwöhnten Cory Henry angesagt, der sich als charismatisch performender Sänger und Organist erwies und mit seinen Funk Apostles eine gut geölte Groovemaschine zum Laufen brachte. Robben Ford gehört ebenfalls in diese (Star-)Riege. Vom Gastspiel des Gitarristen mit dem Zurich Jazz Orchestra bleibt aber vor allem im Gedächtnis, dass es wie viele Konzerte in der Wackerhalle viel zu laut war und zudem eine verpasste Chance, weil das von Ed Partyka geleitete Orchestra ein eigenes Gastspiel verdient gehabt hätte.

Da schließt sich die Frage an, warum man überhaupt auf so ein Festival geht. Um große Stars zu erleben oder sich an Newcomern wie der französischen, in London lebenden Bassistin und Sängerin Amy Gadagia zu erfreuen, die es augenscheinlich selbst kaum fassen konnte, dass ihr Trio mit Standing Ovations gefeiert wurde? Um musikalisches Neuland mit experimentelleren Gruppen (Korhan Futaci, Irreversible Entanglements) im Stadtsaal zu betreten oder sich auf ein faszinierend intimes Erlebnis im historischen Ankerkino einzulassen, wo Stian Westerhus und Maja S.K. Ratkje mit Gitarre, Orgel und sirenengleichem Gesang von Shakespeare geschriebene (oder davon inspirierte) Texte in eine ganz eigene musikalische Sprache umsetzten?

In Zeiten eines von personellen Änderungen und Sparzwängen bestimmten Wandels werden sich auch die Verantwortlichen der mit allnächtlichen, diesmal vom Shuteen Erdenebaatar Trio geleiteten Jamsessions, mit traditionellen Bluesveteranen am Samstagnachmittag und weiteren Attraktionen bestens organisierten Jazzwoche dieser Frage stellen müssen. Wobei das größte Kapital eines Festivals immer noch sein Publikum ist. Und wie aufmerksam positiv die Burghauser zum Finale im gut gefüllten Stadtsaal drei noch sehr jungen Formationen (Ayé!, Jakob Bänsch Quintett, Inui) begegneten, lässt einen sehr zuversichtlich in die Zukunft blicken.