London Column

Jede der vier Londoner Musikhochschulen ist anders. Drei von ihnen bieten Vollzeit-Jazzstudiengänge an, eine, das Royal College of Music, nicht. Kurioserweise ist das genau die Hochschule, an der ich ein Jahr lang unterrichtet habe. Ich hatte den ziemlich hochtrabenden Titel Professor of Professional Skills, was ich so interpretierte, dass den Studenten ein breiteres Spektrum an Karrieremöglichkeiten aufgezeigt werden sollte. Ich glaube, meine Ideen waren damals gegenkulturell – oder vielleicht einfach zu früh.

In dieser Kolumne geht es aber nicht um meine persönlichen Erinnerungen. Ich will mich auf den Hochschul-Jazz von heute konzentrieren. Meiner Meinung nach wird die Rolle der Konservatorien bei der Förderung junger Talente im Jazz oft absichtlich heruntergespielt. Die Mercury-Preisträger Ezra Collective schweigen sich gerne darüber aus, dass sie von der Juniorabteilung der Royal Academy of Music tatkräftig unterstützt und ermutigt wurden. Vielleicht wären Jacob Colliers Aufstieg und seine fünfzehn Grammy-Nominierungen ohnehin gekommen, aber er wurde auch von den Jazzlehrern in der Marylebone Road sorgfältig gefördert.

Ein besonderer Grund, jetzt über die Londoner Konservatorien zu sprechen, ist, dass das Album Some Days Are Better – The Lost Scores – Kenny Wheeler Legacy (Greenleaf), an dem RAM-Studenten mitgewirkt haben, gerade für einen Grammy nominiert wurde, und die zentrale Figur in Sachen Kenny Wheeler ist der Trompeter und Kenny-Wheeler-Biograf Nick Smart, der den Jazzkurs an der Academy leitet. Ich respektiere und mag Nick und kann kaum fassen, wie viel er leistet. Er bedankte sich bescheiden wie immer bei allen anderen und sagte: „Jetzt hier zu sein, ist einfach der allerherrlichste Abschluss des gesamten Prozesses.” Der Direktor der Hochschule kommentierte dies schlicht mit den Worten: „This is huge“.

Die Kursleiter der Jazzabteilungen an den beiden anderen Colleges sind ebenfalls hervorragende Visionäre und äußerst fähige Führungskräfte. Sie leisten Erstaunliches, und das trotz der Dämlichkeit des Brexits, der ihnen viele potenzielle Studenten geraubt hat. An der Guildhall ist die australische Sängerin Jo Lawry damit befasst, eine Kultur von gegenseitiger Hilfeleistung und Respekt unter den Musikern, insbesondere den Sängern, zu schaffen. Das zu beobachten, ist inspirierend, ebenso wie es ihr Konzert in der Wigmore Hall mit Fred Hersch war – eins meiner Konzerte des Jahres. Und auch Trinity hat mit dem in Landshut geborenen Pianisten und Bandleader Hans Koller einen großartigen Leiter. Er fördert kraftvolle Improvisatoren mit starker Persönlichkeit, und unter seiner Leitung blühen sie auf. Ich bin ein Fan dieser drei Kursleiter. Die Musikhochschulstudenten in London sind in guten Händen.


Sebastian Scotney betreibt die Website ukjazznews.com